Rezension: Aera – Die Rückkehr der Götter

Es ist alles göttlich, was glänzt

aera
Für manche Bücher seh ich rot.

Manche Ideen klingen eben besser als sie umgesetzt werden können. Und das ist schade – in diesem Fall ganz besonders.

Die Idee klang wirklich ansprechend. Wirklich. Also ich meine … so richtig. Stellt Euch vor, Ihr lest einen typischen Asterix-Band. Der kleine Gallier – Ihr erinnert Euch? Wann immer er sich nicht mehr auskannte lief sein Gesicht rot an, seine Helm-Flügel legten sich nach hinten und er brüllte etwas ähnliches wie: „Beim Teutates – jetzt habe ich aber genug von dem Unfug.“.

Tja. Und jetzt kommt der Dreh: In ‚AERA‘ würde dieser Spruch tatsächlich Sinn ergeben, selbst wenn er von einem heutigen Franzosen dem nächsten Römer entgegen gebrüllt würde.

Sie sind wieder da

Rom,_Pantheon_bei_Nacht
Plötzlich von der Liste der freien Immobilien gestrichen: Das Pantheon in Rom – Bildnachweis [1]

Denn in AERA sind die Götter zurückgekehrt; und zwar alle. Alle auf einmal. Und deshalb stellt sich das alternativ-moderne Leben ein bisschen so dar wie der Alltag im ‚Haus das verrückte Macht‘ (aus: ‚Asterix – Sieg über Cäsar‘, Anm.): Alleine die Zuständigkeitsbereiche festzustellen ist schon ein Halbtags-Job.

Aber wie dem auch sei: In dem Dschungel von Gott-Entitäten findet sich der Protagonist allein dadurch zurecht, dass er sie alle zu gleichen Teilen verabscheut.

In einer Welt, in der die Götter nicht zwischen heiligen Buchstaben in Patina-gewürzten Büchern verstauben ist es zwar ausgesprochen schwer atheistische Haltung zu wahren – doch irgendwie schafft er es sich da durchzuwursteln.

Dabei helfen genau zwei Dinge. Einerseits die Tatsache, dass ihn die ‚Götter‘ ausgesprochen amüsant finden – und andererseits, dass ihn die Menschen gerne dann um seine Dienste ersuchen, wenn der Verdacht aufkommt, dass die Götter ihre Finger im Spiel haben. Denn Ignoranz scheint der einzige Weg zu sein, einen kühlen Kopf zu bewahren.

Ich will gar nicht näher auf die Story eingehen, die sich als ein speckloser Krimi im Fantasy-Mantel präsentiert. Ermittler. Verfolger. Bösewichte. Darauf lässt es sich im Grunde herunterbrechen. Die Götter sind dabei größtenteils pure Dekoration und spielen allenfalls eine untergeordnete Rolle – in den meisten Fällen dienen sie nur dazu irrationale Menschen noch irrationaler agieren zu lassen ohne ihnen das letzte bisschen Glaubwürdigkeit zu nehmen.

Krimis

Ohne unfair sein zu wollen – ich kann plumpe Krimi-Settings nicht ausstehen und war nicht gerade begeistert davon, dass die (geniale!) Grundidee für einen solchen verwurstet wurde. Markus Heitz hat das Potenzial dieser unglaublichen Zeitenwende einfach nicht ausgereizt und wenn ich andernorts gelesen habe, dass ein anderer Autor der Story gut getan hätte, dann ist das nicht grund-falsch. Aber nicht, weil Heitz nicht das Talent gehabt hätte aus der Geschichte etwas zu machen – sondern weil ein anderer Autor sich vielleicht viel mehr auf das große Ganze hätte stützen können.

Eine Welt zu schildern, in der die Götter nicht nur präsent sind, sondern darüber hinaus auf modernes Leben und seine Realitäten stoßen; die in völlig neuen Kombinationen auftreten könnten – das wäre (für mich) lesenswert gewesen. Zu sehen, wie sie tatsächlich Unruhe stiften, wenn in GB indische Götter auf Grund der Bevölkerungsstrukturen ein Einfallstor nach Europa haben. Oder wie keltische und nordische Götter miteinander klar kommen, deren Völker quasi Cousinen sind. Was wäre in Österreich geschehen, wo eigentlich die Kelten vorherrschten aber sich mit den Germanen vereinten? Was in den slawischen Gebieten, wo die Götterlandschaften nahezu unüberschaubar groß sind?

Fazit

Wir werden’s nie erfahren. Weil wir einen tabaksüchtigen Ermittler hinter einer größenwahnsinnigen Sammlerin herjagen sehen. Mit Feuerwaffen und so. Pffffft.

Auch die letzten paar Seiten ändern nichts mehr daran, dass die Chancen vergeben wurden. Der Rest ist eher für (in Sachen Fantasy) wagemutige Krimi-Leser.


Anhang

[1] „Rom, Pantheon bei Nacht“ von Dnalor 01Eigenes Werk. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons.

Das Hintergrundbild im Titelbild wurde hier heruntergeladen. Es befindet sich in der Public Domain.


aera

Aera – Die Rückkehr der Götter
Markus Heitz

Knaur Verlag
Taschenbuch, 784 Seiten
978-3426518618

(D) € 9.99
(A) € 10.30

 

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