Comic-Rezension: Vatersünden (Die Nacht der lebenden Toten #1)

Nie ganz weg

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Eines der stimmungsvollsten Bilder des Comics hat es ganz nach vorne geschafft.

Der Klassiker des Horror-Genres, George A. Romeros ‚Night of the living dead‘ ist so untot wie die gefährlichen Kreaturen in seinem Film selbst. Irgendwie hat er nie ganz die Bühne verlassen, zumindest starken Einfluss auf alle nachkommenden Werke gehabt.

Was liegt also näher, als diese Geschichte in entstaubter und sorgfältig restaurierter Form neu zu erzählen? Genau. Und deshalb gibt es den Comic-Band von Jean-Luc Istin auch.

Er hält sich dabei recht dicht an der inzwischen einige Male generalüberholten Geschichte, die George A Romero berühmt und Zombies im Horror-Genre unsterblich gemacht hat. Oder so. Für alle, die nicht genau wissen, warum der Film so wichtig war, hier die Kurzfassung: In diesem Film treten Zombies zum ersten Mal als echte Zombies auf. Bis zu diesem Zeitpunkt waren es eher die Guhle, die das Geschehen beherrschten. Der Unterschied zwischen beiden ist übrigens, dass Guhle zumeist durch Magie erschaffen werden und nicht tot sind. Zombies hingegen sind es – und vor allem dienen sie keinem bestimmten Zweck. Sie führen also keinen Plan aus, sondern sind einfach, was sie sind: Gefährlich.

Optisch

Die Zeichnungen sind toll und passend, andererseits aber auch nicht von so herausragender Qualität, als dass man durch sie den Stil von Elia Bonetti jederzeit wiedererkennen würde. Besonders Panorama-Bilder scheinen ihm aber zu liegen, sodass ich insgesamt sagen würde, er hat seine Sache (handwerklich) gut gemacht. Die Tristesse und Hoffnungslosigkeit, die als Grundstimmung die Geschichte begleitet, trifft er jedenfalls wunderbar – und die von vielen lobend erwähnte Kolorierung tut ihr übriges dazu.

Leider hat der Band erzählerische Schwächen. So ist die Story in zwei Stränge aufgeteilt: Der einer Mutter, deren Todesangst ein zentrales Erzähl-Element ist, und der des Vaters samt Kinder, die im Haus der Familie zurückbleiben. Während erstere ein jährliches Ritual (einen Friedhofsbesuch) absolviert, bricht die Apokalypse aus und bringt die gesamte Familie in zwei separierte, verzweifelte Situationen: Sie muss sich in einem Hotel in der Pampa vor Irren und Zombies in Acht nehmen, er versucht aus der nunmehr abgeriegelten Stadt zu entkommen.

Wo viele Späne sind, könnte ein Hobel sein

Wo die Schwächen sind? Nun … abgesehen von dem manchmal etwas ruckartigen Erzählstil (gelegentlich hat man das Gefühl es geschehen noch Zeichen, Wunder und spontane Beam-Vorgänge) ist es hauptsächlich die Geschichte des Mannes, die Stereotyp erzählt wird und somit ein wenig unbefriedigt zurücklässt. Mit Kindern durch eine Zombie-verseuchte Großstadt zu gehen sollte nicht so aussehen, wie es das in diesem Band tut. Leicht. Gedankenlos.

Abseits dieser Idee, also den Ehemann auftreten zu lassen, gibt es nicht viel neues. Eines der größten Probleme des heutigen Horror-Films ist ja bekanntlich das Handy – denn durch dieses kleine Gerät werden viele Situationen, die früher für ordentlich Grusel gesorgt haben, harmlos. Ein Markenzeichen einer guten Geschichte ist also die Art und Weise, auf die das Handy als Möglichkeit aus selbiger getilgt wird. In diesem Comic-Band spielt es aber überhaupt keine Rolle – und das ist vielleicht das unkreativste daran.

Wie dem auch sei. Insgesamt wirken die Figuren nicht so glaubwürdig wie jene aus The Walking Dead. Und TWD ist, zumindest im Augenblick, quasi „Branchenstandard“. 😀

Aber es besteht noch Hoffnung – denn irgendwie schafft es der Band trotzdem die schaurige Stimmung zu erzeugen, die dem Genre anhaftet. Ich werde deshalb auch dem zweiten Band eine Chance geben und hoffen, dass er den ersten übertrifft.

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