Rezension: Unter Toten 1

Ein gewagtes Unternehmen…

Unter Toten 1 von DJ Molles
Das Cover ist Programm.

Amerikaner haben für (oder gegen) alles einen Plan. Ehrlich. Auch für den Fall, dass die Zivilisation, so wie sie sich selbst gerne sähe, zusammenbricht. Sobald die US-Regierung, das Militär und die zivilen Behörden Gefahr laufen die Kontrolle zu verlieren, tritt eine ganz besondere Einheit (verborgen) in Aktion.

Eigentlich ist es ja das Gegenteil einer ‚Einheit‘, denn dieser Haufen Soldaten ist über das ganze Land verstreut. In jedem Bundesstaat sitzt ein einzelnes Mitglied dieses Teams und wartet. Denn wann auch immer große Gefahr droht werden diese Soldaten in Bunker geschickt, wo sie eine ganze Weile auf ihren Einsatz warten. Es gibt zwei mögliche Ausgänge dieser Aktion: Entweder es gibt Entwarnung, dann dürfen sie wieder an die Oberfläche und weiter harmlose Hausbesitzer in unscheinbaren Wohngegenden spielen. Oder aber, der Ernstfall tritt ein.

Meist handelt es sich bei ihren Bunker-Besuchen nur um kurzfristige Aufenthalte, und sie werden wieder an die frische Luft gelassen. Diesmal jedoch nicht.

Ich sitz‘ in meinem Bunker

Captain Lee Harden sitzt in einem solchen Bunker. Über das Internet kann er die Seuche verfolgen, deretwegen er einige Meter unter der Erde vergebens auf einen Anruf wartet, der ihn wieder zurück an die Oberfläche beordert. Infizierte Menschen, die keinen Schmerz empfinden, deren kognitive Fähigkeiten beinahe völlig verloren sind und die ein uneingeschränkt aggressives Verhalten an den Tag legen beherrschen nun den Planeten.

Die Tage vergehen, die Seuche lässt den Erdball nicht los – und Lee wird langsam klar, dass der Anruf nicht kommen wird. Zum ersten Mal wird ihm klar, dass es Ernst werden könnte. Als die Frist für die Kontaktaufnahme mit ihm endgültig verstreicht, zögert er noch ein wenig. Dann greift er schließlich doch zu dem Datenstick, der ihm in einem solchen Fall seine Befehle übermitteln soll. Und die klingen erstmal irrwitzig: Captain Lee Harden soll Recht & Gesetz (oder eine angepasste Version davon) in die Welt zurück bringen.

Die Aufgabe ist groß. Andererseits – irgendwer muss ja. Und Lee Harden ist genau der richtige Mann dafür.

An die Oberfläche kommen

Gleich sein erster Auftritt in dieser Endzeit macht jedoch klar: Er ist nicht ausreichend auf das Grauen vorbereitet, das ihn erwartet. Eine Infizierte, ein junges Mädchen, verletzt ihn schwer mit einem Messer. Der Vorfall zwingt ihn seine Lage völlig neu zu überdenken und seine Ausrüstung anzupassen. Er macht ihm klar: NIEMAND hat diese Situationen vorausgesehen. Und seine üblichen Taktiken sind diesem Szenario nicht gewachsen.

Schließlich macht er sich erneut ans Werk und seine ersten Schritte in eine Welt, in der es überall von miesen Kerlen, Vergewaltigern und brutalen Meuchelmördern wimmelt. Die Infizierten, deren körperliche und geistige Fähigkeiten zwar stark herabgesetzt wurden, deren fehlendes Schmerzempfinden sie aber zu unglaublich zähen Gegnern macht, sind also vielleicht gar nicht das größte Problem.

Als er endlich den ersten Überlebenden retten kann, fängt sein Leben an wieder Sinn zu ergeben. Auch, wenn es nur ein kleiner Erfolg ist, schließt Lee daraus, dass der Plan vielleicht irrwitzig ist, aber nicht völlig sinnlos.

Fazit

‚Unter Toten‘ ist Zombie-Kost der Hausmannssorte. Die Untoten sind gar nicht untot, sondern geistern als kranke, infizierte Menschen (also als ’schnelle Zombies‘) durch die Welt.

Wer hie und da auf Logik verzichten kann, der bekommt eine spannende Story mit einem leicht Comic-haften, überzeichneten Helden serviert.

Ein Wort vielleicht noch zum Stil: Auch, wenn ich nicht weiß, ob der nicht schon im Original an manchen stellen furchtbar war – die Übersetzung scheint mir furchtbar. Das Wort ‚Lippenfurz‘ hat in einem Endzeit-Roman nichts zu suchen und zerstört die Emotionalität jeder Szene, in der es verwendet wird. Es ist natürlich nicht der einzige ‚Fehler‘ dabei, aber er steht stellvertretend für all meine Kritik an der Sprache des Romans.

Pro-Tipp

Übrigens: Am Ende gibt es noch eine Bonus-Story. Diese ist wesentlich packender als die Geschichte im Roman selbst. Es lohnt sich jedenfalls sie zu lesen!


Anmerkungen

Das Hintergrundbild im Titelbild wurde hier heruntergeladen. Es befindet sich in der Public Domain.


 

 

Unter Toten 1 von DJ MollesUnter Toten
D J Molles

Heyne Verlag
Taschenbuch, 496 Seiten
978-3453315716

(D) € 8.99
(A) € 9.30

 

 

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