Filmkritik: Deadpool

Das schrägste, was Marvel zu bieten hat

Der Söldner mit der großen Klappe – ich hätte nie gedacht, dass Marvel es tatsächlich durchzieht und ihn auf die Leinwand bringt. Er ist schon seit geraumer Zeit mein Lieblings- … äh … Held? Nein. Äh. Meine Lieblingsfigur eben. 🙂

Ja, es ist nicht ganz einfach ihn zu beschreiben. Vielleicht ist es einfacher, wenn man sich einen richtigen Helden denkt, und dann zeigt, was Deadpool von ihm unterscheidet. Bereit? Gut! Dann los.

Stellen wir uns Wolverine vor. Der Kanadier (der von einem Australier gespielt wird) mag ja durchaus ein wenig rau sein – in Wirklichkeit hat er aber ein gutes Herz. Seine Fähigkeiten sind nicht gerade überwältigend. Und doch überwältigend praktisch: Egal wie schwer er verletzt ist, er heilt sich innerhalb kürzester Zeit selbst. Diese Fähigkeit nutzt er, um dem Bösen der Welt zu begegnen – und zwar mit implantierten Krallen, seiner eben beschriebenen Fähigkeit und dem unbändigen Charme, der ihn auszeichnet.

Tja. Und dann Deadpool.

Ein Hauch von einem Helden im Blut

Prinzipiell hat er die gleiche Fähigkeit: Er regeneriert sofort nachdem er verletzt wurde. Dummer Weise ist er kein „natürlicher Mutant“ wie Wolverine, wurde also nicht mit dieser Gabe geboren. Geboren als Wade Wilson litt er unter Krebs im Endstadium, als ihm die Möglichkeit geboten wurde von diesem erlöst zu werden – schließlich ist er ein verdienter Söldner. Zwar hält er nie die Klappe – Fragen stellt er allerdings so gut wie nie. Allenfalls jene nach seinem Sold, der Rest ist ihm aber verhältnismäßig egal. Hauptsache Blut und Geld.

Das „Weapon X“-Programm, welches ihm die Genesung ermöglichen soll, versorgt ihn also mit Wolverines DNA (wenngleich das im Film entweder nicht so dargestellt wurde oder erst in einem Folgefilm aufgegriffen werden wird) und regeneriert – genau. Seinen Krebs. Er ist also über und über mit überschüssigen Zellen bedeckt. Oder anders: Er sieht scheußlich aus. Das dafür aber für immer.

Die genauen Umstände seiner Verwandlung führten dazu, dass er endgültig den Verstand verlor. Hatte er vorher eine große Klappe, so benutzt er sie zum Beispiel von diesem Moment an auch, um mit dem Publik zu kommunizieren. Er ist die einzige mir bekannte Marvel-Figur, die in der Lage ist die ‚vierte Wand‘ zu durchbrechen – sich also seiner Existenz als Comic-‚Held‘ bewusst ist. Und das ist sensationell. 🙂

Deadpool, Blut und Brüste

Der Film ist durchzogen von Deadpools völlig abgedrehtem, primitiv-wahnsinnigem Humor. Manche seiner Witze gehen dabei auch vor dem Kino-Saal ins Leere, meistens trifft er allerdings ins Schwarze. Besonders die Tatsache, dass er immer wieder politisch inkorrekt wird eröffnet seinen Schreibern dabei völlig neue Möglichkeiten. Die Entscheidung ihn nicht zu einem (für Marvel typischen) Kinderfilm ab 12 Jahren zu schneiden war nicht nur gerechtfertigt, sondern geradezu notwendig. Deshalb sieht man nicht nur explizite Szenen der Gewalt, sondern auch Geschlechtsteile – und das nicht im verzerrten Weichzeichner. Erfrischend auch, wie überhaupt mit dem ganzen Thema umgegangen wird – aber da das nur ein kleiner Aspekt am Rande ist, will ich mich nicht zu tief darin versteigen.

Dass das Blut spritzt sieht man ja schon bei den Trailern. Es ist also keine größere Überraschung, lässt einen aber die Unterschiede zu den anderen Marvel-Filmen sofort erkennen. Iron-Man fetzt auch so richtig um sich – aber zerreißende Körper sieht man recht selten.

Der Plot und seine Schwächen

Eigentlich ist der Plot sowas von unspektakulär. Sowas von. Die Handlung stagniert über weite Teile sogar, weshalb Deadpool sich dazu genötigt sieht ein merkwürdiges Angebot von irgendeinem unbekannten Typen annimmt blos ‚Damit die Handlung vielleicht weiterkommt‘, wie er es kommentiert.

Aber darum geht es gar nicht. Es geht eindeutig um Deadpool und seinen Wahnsinn. Die Geschichte rund um seinen Peiniger, der ihn in selbigen getrieben hat (obwohl es Wade Wilson ohnehin nicht weit dorthin hatte) ist definitiv nicht viel mehr als der Weg, den die Macher eingeschlagen haben um Deadpool beim Vögeln, Schnetzeln und Scherzen zu zeigen.

Fazit

Ich liebe Deadpool. Ich mag den Film. Natürlich habe ich keine Ahnung, wie man soetwas besser hätte verfilmen können – und ich will wirklich jedem Raten, sich diesen Film anzusehen. Trotzdem gab es vielleicht ein oder zwei Witze zuviel, die ins leere gingen, als dass ich ihn ‚perfekt‘ nennen würde.

In jedem Fall ist er sehenswert und eine Empfehlung meinerseits. Allerdings: Um sich schon einmal ein wenig mit seinem Humor anzufreunden, sollte man dringend eines seiner Comic-Abenteuer gelesen haben. Es hilft sich vorzubereiten. 😀


Trailer

ACHTUNG: Der Trailer ist ab 18.  Ich hab’s gesagt…

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3 Kommentare zu „Filmkritik: Deadpool“

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