Rezension: Geliebter Roboter

Kurze Geschichten –  nicht nur für SciFi-Fans

geliebterroboter
Im einheitlichen Design der Asimov-Kurzgeschichten-Bände bei Heyne sieht das ganze auch noch gut aus.

Er gilt als Großmeister der Science-Fiction: Isaac Asimov. Obwohl er ein großer Bewunderer der Wissenschaften war, und von den Technologien seiner Zeit unglaublich viel verstand, haben einige seiner Geschichten etwas ungewollt Dystopisches an sich. In diesem Band sind einige seiner interessantesten Kurzgeschichten versammelt.

Isaac Asimovs Liebe zu Robotern ist gemeinhin bekannt. Sie ist der Ausgangspunkt für einige seiner faszinierendsten Romane und Kurzgeschichten. Besonders hat es ihm dabei die Logik angetan, die zwangsläufig Grundlage für alle Entscheidungen sein muss, die ein Roboter trifft. Seine Ideen für den Bau der Roboter sind dabei ausgesprochen fortschrittlich – man darf nicht vergessen, dass diese zu seiner Zeit noch nicht einmal weit genug ausgereift waren um die einfachsten Fließband-Arbeiten zu übernehmen.

Als Erfinder des ‚Positronischen Gehirns‘ löste er die meisten technischen Schwierigkeiten wissenschaftlich genug um auch für heutige Verhältnisse noch spannend zu bleiben. Ich habe an anderer Stelle schon einmal darauf hingewiesen, dass selbst Jahrzehnte später einige seiner Ideen aufgegriffen wurden (etwa in der ebenfalls ausgesprochen einflussreichen Fernsehserie ‚Star Trek: The Next Generation‘). Und doch ist es manchmal geradezu komisch, wie er sich die Zukunft ausmalt.

Trotzdem ist ‚Geliebter Roboter‘ eine Kurzgeschichtensammlung, die sich von vielen anderen des Autors unterscheidet. Vor allem, weil sie sich nicht ausschließlich um Roboter dreht – obwohl der Titel das vermuten lässt.

Der Großrechner

So ist es hauptsächlich die Idee eines gigantischen Großrechners („Multivac“), die von Asimov in den Mittelpunkt vieler Erzählungen gestellt wird. Seine Horror-Vision einer Demokratie, die sich ganz und gar auf die Vorhersagen eines vermutlich manipulierten Computers stützt, scheinen aus unserer Perspektive gar nicht mehr so weit entfernt. In der Kurzgeschichte bestimmt letztendlich sogar ein einziger Wähler (aus dessen Antworten auf Multivacs Fragen die Meinung aller anderen abgeleitet und hochgerechnet wird) das Schicksal einer ganzen Nation.

Natürlich ist der zeitliche Rahmen, den Asimov dabei erdacht hat, völlig falsch. 2008, das Jahr in dem die Geschichte spielt, hatte bestimmt seinen Horror (und Barack Obama, der in Wirklichkeit als Sieger aus ihr hervorging entpuppte sich als eine geschickt den netten Mann heuchelnde Schreckgestalt geworden); Computer spielten bei der Wahl selbst aber vermutlich eine weit kleinere Rolle als Wahlautomaten in jener von 2004. Und selbst da ist es am Ende eher unwahrscheinlich. Naja. Zurück zum Thema…

Liebesschaltkreise?

Den Namen erhält der Band jedenfalls von einer Story, in der ein Roboter (hier müsste man ja eigentlich von einem ‚Androiden‘ sprechen) zu Testzwecken in das Haus einer unglücklichen Frau zieht. Er krempelt ihr Leben gehörig um und erweckt sogar, hie und da, den Eindruck echter Gefühle für seine Besitzerin.

Ein liebender Roboter?, werden sich da einige fragen. Ja! Allerdings: Asimov löst diesen schwer zu glaubenden Umstand bravourös auf und erklärt ihn mit den Gesetzen der Robotik. Seine Erläuterungen haben dabei den Riesenvorteil, dass sie nicht nur logisch, sondern sogar denkbar richtig sind. Nach allem, was wir wissen, könnten Androiden vermutlich nicht lieben – aber sie könnten Gründe dafür finden, Liebe zu simulieren.

Der Untergang der Menschheit

Zwei echte Exoten durchbrechen Asimovs typisches Roboter-Logik-Muster auf recht ungewöhnliche Art: sie haben nahezu nichts mit Technologie zu tun. Besonders sticht dabei die Geschichte über das Ende der Welt hervor. Für sie hat Asimov sogar die christliche Mythologie bemüht.

Alles beginnt damit, dass der für die Erde zuständige Engel den Befehl bekommt, die Posaune erschallen zu lassen. Der jüngste Tag bricht an. Sofort beginnt die Erde sich zu wandeln – und mit ihr das ganze Universum. Längst verstorbene Menschen kriechen nackt aus ihren Gräbern und mischen sich (wiederhergestellt) unter die Lebenden – und trotz des einen oder anderen angenehmen Anblicks nimmt niemand Anstoß daran.

Die Posaune klingt also, während der ‚zuständige Engel‘ sich darum bemüht den ‚Chefs‘ umzustimmen. Dass dieser selbst verfügt hat, dass seine Entscheidungen unabänderlich sind, ist dabei nicht gerade hilfreich.

Besonders unterhaltsam ist dabei übrigens die Art und Weise, wie Asimov die Geschichte erzählt, beginnt sie doch mit einem Fabriksbesitzer und dessen Vater. Und dessen Vater. Und alle wollen herstellen, was keiner mehr braucht.

Nur Menschen scherzen schlecht

Zu guter Letzt sei noch eine Geschichte kurz angerissen, die endlich den Ursprung der Witze auf unserem Planeten klärt. Denn jeder kennt Witze – obwohl sie niemand erfunden hat. Oder erinnert Ihr Euch an jemanden, der das einmal behauptet hat? Und falls ja – war es ein guter Witz? Einer, den Ihr immer und immer wieder zählen wolltet? Vermutlich nicht.

Die Quelle der Witze ist jedenfalls verblüffend. Und die Antwort auf die Frage nach dem Ursprung derselben ist wiederum eine kleine Horror-Geschichte aus der Feder des Meisters.

Fazit

Beim Lesen von Asimov hat man bisweilen das Gefühl, man werde mit einer Art Steam-Punk-Welt konfrontiert. Nur, dass die Ausgangsbasis dafür nicht das viktorianische England, sondern das Amerika der 1950er Jahre ist. Und das ist irgendwie besonders reizvoll. Zumindest für mich.

Dabei sind zwar nicht alle Geschichten auf dem gleichen Niveau – wirkliche ‚Absacker‘ gibt’s dabei allerdings auch nicht.

Wer mit Lochkarten und Wolkenkrater-hohen Computern ein Problem hat, dem kann ich Asimov jedenfalls nicht empfehlen. Allen anderen möchte ich die Lektüre ans Herz legen. Sogar Fans des milden Grusels könnten Gefallen daran finden – selbst, wenn sie mit SciFi sonst nicht viel am Hut haben.


Anmerkungen

Header_Jahr_des_TaschenbuchsDieses Buch habe ich im Rahmen der „Jahr des Taschenbuchs 2016“ – Challenge gelesen. Diese Challenge sieht vor, jeden Monat mindestens ein Taschenbuch zu kaufen und (nach Möglichkeit) zu lesen.

Wenn Ihr mehr über diese Challenge (und die teilnehmenden Blogs) lesen wollt, folgt bitte diesem Link.


geliebterroboterGeliebter Roboter
Isaac Asimov

Heyne Verlag
Taschenbuch, 208 Seiten
9783453528437

(D) € 8.99
(A) € 9.30

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