Comic-Rezension: Mandys Dämonen (Die Nacht der lebenden Toten #2)

Der Wunsch ist da…

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Das Cover zeigt eine der besten Zeichnungen im Buch.

„The Night of the Living Dead“ ist ein echter Klassiker, der das Zombie-Genre revolutioniert hat. Mit der Comic-Adaption von Jean-Luc Istin sollte der Stoff neu in Szene ge- und unser Zeitalter versetzt werden. Der WUNSCH das toll zu finden ist da. Es gelingt mir nur nicht.

Schon der erste Teil der neuen Comic-Reihe, erschienen im von mir geliebten Splitter-Verlag, war nicht der große Renner. Zu unausgewogen waren vor allem die neu hinzugefügten Elemente und zu uninspiriert der zeichnerische Stil.

Auch der zweite Teil der Comic-Adaption von „Die Nacht der Lebenden Toten“ protzt nicht gerade mit unglaublich innovativem Material. Über den Zeichenstil kann man bestenfalls sagen, dass er ’souverän‘ ist – aber das war auch schon im ersten Teil der Fall. Man merkt eben, dass mit Elia Bonetti kein Anfänger am Werk ist, sondern ein routinierter Profi. Auch Comic-Gigant Marvel nimmt seine Dienste immer wieder gerne in Anspruch. Vielleicht ist es auch einfach nur eine Frage des Geschmacks und Ihr denkt ganz anders darüber – ich jedenfalls werde wohl nie sein größter Fan werden.

Was nicht gelungen ist

Der Versuch die Geschichte in die Jetzt-Zeit zu übertragen gelingt, im Gegensatz zu vielen anderen Elementen, durchaus. Natürlich liegt das zum großen Teil daran, dass die Zombie-Apokalypse uns alle schlagartig in eine Art Pseudo-Steinzeit zurückkatapultiert, in der Handys sowieso nicht funktionieren und Computer allenfalls Monumente verzweifelten Wünschens sind. Was hingegen gar nicht gelingt, ist die ursprüngliche Story um Elemente wie die Geschichte von Lisbeths Mann zu erweitern. Der nahezu ständig unaufgeregte, extrem abgeklärte Charakter der Figur ist – vor allem angesichts der Tatsache, dass er allein mit zwei kleinen Kindern durch den Weltuntergang schleicht – für mich extrem unglaubwürdig.

Ein weiterer Dorn in meinem Auge jener Handlungsstrang, der uns in die Vergangenheit der Protagonistin bringt. Lisbeths Kindheit scheint auf unheimliche Art und Weise mit den Ereignissen ihrer Gegenwart verwoben. Die gewählte Darstellung aber (also die doppelte Rückblende in Kindheit und eine Zeit der Psychotherapie) empfand ich als wenig kreativ. Sie wirkt wie ein Krebsgeschwür, das am Rande der Geschichte entlang wuchert ohne entfernt werden zu können.

Wenn auf den letzten Zeiten dann das anthropomorphe Dunkel herandämmert, wirkt das obendrein wie abgekupfert. Und die Figur, wie auch schon der stoisch porträtierte Familienvater, wenig glaubwürdig. Ich will nicht zuviel verraten – aber so wie diese Figur denkt doch niemand, verdammt.

Es ist aber nicht alles schlecht

Natürlich ist auch in diesem Fall nicht alles schlecht. Die Figur „Mandy“, eingefügt um die Spannung im Hotel weiter zu erhöhen, ist ausgesprochen gut gelungen, finde ich. Vor allem, weil sie lange Zeit über nicht so wirkt, wie sie tatsächlich ist – ohne dabei konstruiert oder kitschig zu wirken.

Auch die „Kill your Darlings“-Policy der Genre-Literatur wurde gut umgesetzt, wenngleich es dazu nötig war eine der Figuren aus dem Original weiter zu verschlimmern. Das ist nicht an allen Punkten glaubwürdig – aber auch nicht in jeder Situation daneben.

Fazit

Ihr merkt also, dass ich der Meinung bin, ihr solltet Euch das Geld für diese beiden Bände sparen. Natürlich könnte es meine Einzelmeinung sein – aber ich habe schon recht viele Zombie-Stories gelesen und einige Comics hinter mir; ich glaube zu wissen, wann etwas halbwegs glaubwürdig inszeniert ist.

Vor allem, dass ich während der Lektüre ununterbrochen dachte, dass das Original (trotz seiner – für heutige Verhältnisse – geradezu primitiven Machart) wesentlich besser austariert war, spricht nicht gerade für die Comics. Zum Ausgleich haben wir aber eine wesentlich aktivere, zeitgemäße Frauenfigur. Nicht, dass sie im Original unglaubwürdig wäre – ihr Schockzustand ist nur allzu verständlich. Aber gar keine aktive Frau ist einfach unwahrscheinlich. Äh … zurück zum Fazit.

Diesen Bänden gebe ich jetzt noch eine dritte Chance.  Das hat zwei Gründe. Der erst wäre, dass ich einen Sammel-Tick habe und kaum unvollendete Reihen bei mir stehen lassen möchte. Der andere ist, dass ich den Splitter-Verlag sehr hoch schätze und deshalb noch auf ein Wunder hoffe.

Nein, ich werde für die Aussage nicht bezahlt und halte es für ausgesprochen unwahrscheinlich, dass jemand vom Verlag das je lesen wird. 😀

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