Filmkritik: Zoomania

Ein Disney-Krimi

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Ein wirklich toller Film: Zoomania. – ©Disney

Disneys neuer Film ‚Zoomania‘ ist, nach allen Regeln der Kunst, ein waschechter Krimi. Er ist spannend, gut durchdacht und vor allem in ein ausgesprochen fantasievolles Setting eingebettet. Auch eine deutliche Botschaft und überraschend viel Sozialkritik schimmern durch die von Tieren bevölkerte Welt. Doch das Ganze hat einen Haken, mit dem ich nicht gerechnet habe.

Vielleicht wundert Ihr Euch, warum ich diesen Film in meinem Blog überhaupt rezensiere. Nun … das ist schnell erklärt: Ich habe schon seit einiger Zeit einige Kinder-Fantasy und Kinder-SciFi-Bücher auf meinen Listen. Disneys „Zoomania“ passt natürlich in beide Genres – schließlich sind es noch immer Tiere, um die es geht. Und die Struktur der Stadt, in der sie leben, ist eindeutig durch Technologie ermöglicht, die in unserer Realität noch nicht existiert.

Das ist aber noch lange nicht alles, was Zoomania auszeichnet – und auch nicht der Haken, den ich an diesem Film gerne ansprechen möchte.

Bevor Ihr weiterlest…

Wer den Film übrigens schon gesehen hat, der kann in dieser Rezension vielleicht ein wenig scrollen – aber bitte sagt mir, ob Ihr ähnliche Erfahrungen wie ich gemacht habt. Ich habe sie unter „Der Haken an der Sache“ zusammengefasst.

Die Technologie

So ist die Stadt ‚Zoomania‘, im Original wesentlich passender ‚Zootopia‘ genannt, in große Viertel eingeteilt. In jedem dieser Stadtteile herrscht ein anderes Klima vor, das den jeweiligen Bewohnern gerecht wird. Savanne, Tundra, Tropisch und Gemäßigt. Das ist nicht nur extrem stimmig, sondern auch eine tolle Leistung – durch eine Zugfahrszene durch die ganze Stadt wird diese nämlich nicht nur vorgestellt, sondern im Kopf zu einem einzigen Gebiet verwoben.

Während des Films werden die Zonen dann auch allesamt durchwandert. Natürlich nicht alle zu gleichen Teilen – aber das ist auch gar nicht notwendig. Es wirkt zu keinem Zeitpunkt falsch, dass eine Häsin wie Lucy (die ihrerseits die Protagonistin darstellt) sich im eisigen Viertel aufhält – oder im Regenwald-Bereich. Dass alle technischen Gerätschaften an die jeweiligen Bedürfnisse der Bewohner angepasst sind, verleiht der Technologie ebenfalls eine SciFi-Aura: Hochgeschwindigkeitszüge mit drei verschiedenen Passagierbereichen (symbolisiert durch drei verschiedene Einstiege) sind dabei sicherlich genauso sensationell passend wie ein in ein Gebäude mündender Wasserweg für Nilpferde, die am Ende von einem Fön getrocknet werden um sich in der Stadt bewegen zu können.

Das soziale Gefüge

In einer so großen Stadt, mit derart vielen verschiedenen Spezies (und Interessen) ist Spannung zwischen den unterschiedlichen Gruppen vorprogrammiert. Nicht nur die Körpergrößenunterschiede (die zum Teil gewaltig sind – man denke an die Gruppen der Elefanten und Mäuse), sondern auch die Dichotomie von Raub- und Beutetieren spielt eine große Rolle.

Gleich zu beginn des Films werden wir deshalb in die Geschichte der Welt eingeführt, in der Zoomania entstand. Ein Kinder-Theaterstück, getragen von der Darstellung Lucys, gibt die Entwicklungsgeschichte der Spezies zumindest rudimentär wieder, und weist gleich auf diese ehemals klar getrennten Gruppen hin. Raubtiere und Beutetiere hätten allerdings eines Tages zusammengefunden und so ihre Natur überwunden. Doch schon kurz darauf wird gezeigt, dass diese als Tatsache gefeierte Realität so noch nicht existiert. Gezeigt wird das anhand einer Auseinandersetzung zwischen Lucy und dem Fuchs Greg, der sich am Eigentum fremder vergreift und ihr so gleich die Möglichkeit bietet ihren Charakter zu offenbaren: Den der Kämpferin für Recht und Ordnung.

Als Lucy dann schließlich Polizistin ist (als erste Häsin überhaupt) wird dieses Thema sogar vertieft. Zoomania ist eine Stadt, in der alle zusammenleben – ein Miteinander wie in der Verheißung gibt es aber deshalb noch lange nicht. Die unterschiedlichen Gruppen sind es gewohnt miteinander umzugehen – freundliche müssen sie dabei aber noch lange nicht sein. Und dass Vorurteile latent Einfluss auf das Verhalten der Städter nehmen ist dabei gleich von Beginn an zu sehen.

Die Parallelen zu unserer Realität sind unübersehbar – auch für Kinder, denke ich.

Der Krimi

Die Story selbst ist ein waschechter Krimi. Ein Thriller geradezu. Plötzlich scheint es, als verfielen Raubtiere in ihre ursprüngliche Natur zurück. Plötzlich streifen sie die Zivilisation von sich ab wie die Schlangen ihre nicht mehr benötigte Haut – und greifen wahllos die Tiere ihrer Umgebung an.

Häsin Lucy, und ihr Freund Nick, machen sich zunächst auf die Suche nach einem vermissten Otter – nur um festzustellen, dass dieser Entführungsfall direkt in Verbindung mit der Spaltung der Gesellschaft steht, die diese Raubtier-Rückfälle auslösen. Schnell sind die ohnehin vorhandenen Vorurteile zu allgemeiner Doktrin geworden – und die beiden (ebenfalls Beute- und Raubtier) spüren am eigenen Leib, wie der Riss durch die Gesellschaft ihr Leben beeinträchtigt.

Dabei ist die Spannung – für einen Kinderfilm – unglaublich. Vor allem die Szenen, in denen die Raubtiere den Verstand verlieren, sind beinahe schon auf dem Niveau von Produktionen für älteres Publikum. Blut ist zwar keines zu sehen – dafür aber eine für einen Disneyfilm unglaubliche Anzahl von Verletzungen.

Persönlich kann ich mich nicht erinnern, jemals so viele Verletzungen in einem Kinderfilm wahrgenommen zu haben. Ehrlich.

Die Geschichte ist dabei, wie schon erwähnt, unglaublich gut durchdacht und stimmig. Gemeinsam mit dem sozialen und technologischen Setting ist sie besser gelungen, als ich mir das jemals hätte vorstellen können.

Der Haken an der Sache

Wien ist nicht gerade bekannt für seine Zimperlichkeit. Ganz anders verhält es sich aber mit der für die Altersgrenzen in Kinos zuständigen Behörde: Ihre Entscheidungen werfen bei mir oft Fragen auf.

„Zoomania“ ist allerdings – wie nahezu überall – ab 6 Jahren freigegeben; und so saß ich mit meinem 7jährigen Sohn im 3D-Kino. Während des Films ging einige Male ein Ruck durch die Sitzreihe – und auch mein Sohn erschrak das eine oder andere Mal. Ich hielt das für nichts besonders – der Film war ja eben auch spannend.

Als wird allerdings das Kino verließen fiel mir erst auf, dass er nicht sprach. Überhaupt war es ausgesprochen ruhig. Dafür, dass das Publikum zum größten Teil aus Kindern bestand, fand ich das recht merkwürdig. Ich fragte ihn also, wie ihm der Film gefallen hat – und war erstaunt zu hören, was er darüber zu sagen hatte.

„Ich geh‘ nie wieder ins Kino.“, meinte er.

Jetzt kann man sich natürlich vorstellen, dass man als Vater eine Schrecksekunde erlebt, wenn man das zu hören bekommt. Mein Sohn gilt nämlich nicht gerade als unglaublich leicht zu erschrecken. Und wenn es ihm schon so ging – was würden andere Kinder dazu sagen?

Also beruhigte ich ihn ein wenig und kitzelte aus ihm heraus, was ihn so sehr schockiert hatte. Es stellte sich heraus, dass ihm der Film schlicht zu gruselig war. Die Szenen mit dem Wahnsinn verfallenen Raubtieren, Verfolgungszenen und Verletzungen waren ihm einfach zu viel gewesen. Dabei scheint die Tatsache, dass er die Szenen in 3D gesehen hatte nicht einmal eine Hauptrolle gespielt zu haben.

Unheilschwangere Ruhe

Ich wurde nachdenklich, bemerkte an diesem Punkt zum ersten Mal die Ruhe der Kinder bewusst. Neben uns ging eine Mutter mit ihrer Tochter – und die sagte (im Wortlaut, übrigens) genau das gleiche wie mein Sohn: „Der Film war ganz schön gruselig.“ – ohne nervöses Gekicher, wie Kinder es nutzen um zu symbolisieren, dass es ihnen trotzdem gefallen hat.

Vielleicht war es auch nur Zufall. Ich glaube aber, dass Zoomania vielleicht wirklich nichts für so junge Kinder ist. Der Film ist zweifellos gut gemacht – und auch die Rezensionen, die ich zuvor gelesen hatte waren allesamt positiv. Ich glaube aber mittlerweile, dass sie an der Zielgruppe vorbei gingen. Der Wunsch diese Thematik kindgerecht aufzuarbeiten scheint darüber hinweggetäuscht zu haben, dass Kinder für die Materie noch gar nicht bereit waren.

Das ist übrigens ein Phänomen, über das ich in Sachen Kinderliteratur auch schon öfter sprechen wollte. Es scheint mir fast, als ob dieser Wunsch uns immer mehr dazu antreibt Kindern ‚hintergründige‘ Bücher (und Filme) zu zeigen – Kinder selbst von diesen aber nicht so sehr profitieren, wie wir das denken.

Zoomania ist also ein guter Film – man sollte es sich aber gut überlegen, ob das eigene Kind mit Kampfszenen umgehen bzw die darin verpackte Sozialkritik verarbeiten kann. Wir Erwachsenen sehen die Parallelen – Kinder sehen Hasen mit aufgeschlitzten Läufen.

Fazit

Ich kann den Film also nicht uneingeschränkt empfehlen, obwohl ich persönlich ihn wirklich, wirklich gut fand. Mein Ratschlag lautet also: Wenn Ihr einen Zweifel habt, ob Eure Kinder damit umgehen können, dann solltet Ihr lieber nicht hingehen. Zu Hause, auf DVD, wird das vielleicht anders sein. Eine DVD kann man jederzeit ausschalten – den Saal zu verlassen ist nicht so einfach.

Wie sieht das bei Euch aus? Habt Ihr ihn schon gesehen – vielleicht auch in nicht-3D™? Haben Eure Kinder anders reagiert? Waren sie vielleicht schon älter? Ich brenne geradezu darauf zu erfahren, ob Ihr die gleichen Erfahrungen damit gemacht habt. Oder eben andere. Bin ich gar der Einzige, der das so erlebt hat?

Ich bin nicht überempfindlich – versprochen. Aber die Reaktionen der Kinder in der Vorstellung, in der ich war, haben mich wirklich erstaunt. Ich freue mich auf Euer Feedback!


Rezension der Filmfabrik

Die Filmfabrik ist einer meiner liebsten YouTube-Kanäle. Für mich sind die meisten Rezensionen Punktlandungen und die Info-Videos (zum Beispiel über die Entwicklung von Zombies im Kino) absolut sehenswert!

Die Kritik an Zoomania ist allerdings aus der Perspektive eines Erwachsenen. „Na no na ned“ – wie Captain Obvious‘ Leitspruch in Wien lautet.

(Wirkt wie Werbung – ist aber nicht angestiftet oder bezahlt. Nur, dass Ihr es wisst! 😛 )


Anmerkung

Zoomania gehört mir nicht. Das behaupt ich auch nicht. Der Film ist von Disney. 😛

 

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4 Kommentare zu „Filmkritik: Zoomania“

  1. Huhu,
    danke für die tolle Rezi! 🙂
    „Zoomania“ möchte ich auch gerne sehen, der Trailer mit dem Faultier hatte mich schon nach wenigen Sekunden… 🙂
    Die Alterskontrolle ist in Deutschland auch manchmal sehr kurios, da fragt man sich oft, ob die Personen sich den Film überhaupt & ganz angeschaut haben… :-/
    Liebe Grüße, Melli

    Gefällt 1 Person

  2. Ich befürchte fast, dass die Kinder mittlerweile schon so abgestumpft sind, dass ihnen diese Art der Gewalt gar nichts mehr aus macht… Was ich allerdings auch glaube ist, dass Kinder nicht alles im Film verstehen können, weil es einfach zu Erwachsen ist, auch wenn es von Tieren rüber gebracht wird.
    Aber nichtsdestotrotz auf jeden Fall ein sehenswerter Film 🙂

    Gefällt 1 Person

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