Rezension: Ich, der Roboter

Es ist nicht alles Stahl was glänzt

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Das positronische Gehirn von Data (aus Star Trek) – © Paramount

Manche sind ihrer Zeit voraus. Im Fall von Isaac Asimov kristallisiert sich erst langsam heraus, wie weit genau er das war.

Drähte, Schrauben und Metallgehäuse. Das ist alles, was man benötigt um einen Robot zu basteln. Zumindest, wenn man sich die SciFi- und Weltraum-Fantasy-Folklore von Isaac Asimovs Zeit ansieht.

Doch das Universalgenie des Genres (er war in vielen, vielen wissenschaftlichen Disziplinen bewandert) sah voraus, dass es zwischen Rechenschieber und Quantencomputer mehr geben musste als die Schulweisheit sich erträumen lies.

Und so schuf er das „positronische Gehirn“. Und mit ihm die künstliche Intelligenz. Vom positronischen Gehirn sind wir weit entfernt – die künstliche Intelligenz hingegen ist im Grunde schon vorhanden.

Man sollte meinen, dass alle jubeln. Sollte. In Wirklichkeit warnen einige der hellsten Köpfe des Planeten vor ihr. Und das aus guten Gründen. Einige davon hat Isaac Asimov vorweg genommen. In neun zusammenhängenden Kurzgeschichten, die er geschrieben hat. Zwischen 1940 und 1950.

Erstens kommt es anders

Zugegeben – die Computertechnologie hat einiges verändert. Vor Allem die Art und Weise wie wir heute Maschinen bauen. Zunehmend übernehmen Roboter unsere Arbeitsplätze, schaufeln den Wohlstand in immer weniger Taschen. Das hatte er nicht vorhergesehen. Also … das mit den Taschen.

Ganz im Gegenteil – in den 1950ern diskutierte man recht lebendig darüber, was wir Menschen des nächsten Jahrtausends so alles mit unserer vielen Freizeit anfangen werden. Unglaublich, nicht war? Heute diskutieren wir darüber, wie noch mehr Menschen unnötiger Weise am Arbeitsmarkt teilnehmen können und wie man sie länger im Job halten kann – außerhalb verschwurbelter (in Wahrheit pseudo-) akademischer Debatten rund um die Parlamente dieser Welt eine Groteske.

So weit daneben lag Asimov allerdings auch wieder nicht. Denn in Wahrheit können viele der Erkenntnisse, die er im Rahmen seiner Kurzgeschichten zum Thema Ethik und künstliche Intelligenz gewonnen hatte, auch auf moderne Computer-Architekturen angewendet werden.

Um nämlich sicher zu gehen, dass seine fiktiven Schöpfungen auch von seiner fiktiven Menschheit akzeptiert würden, musste er sicherstellen, dass diese für letztere keine Bedrohung sein konnten. Also hängte er dem Denken eines positronischen Gehirns ‚kurzerhand‘ ein Netz aus drei Regeln um.

Die Gesetze der Robotik

(1) Ein Roboter darf kein menschliches Wesen verletzen oder durch Untätigkeit gestatten, dass einem menschlichen Wesen Schaden zugefügt wird.

(2) Ein Roboter muss den ihm von einem Menschen gegebenen Befehlen gehorchen – es sei denn, ein solcher Befehl würde mit Regel eins kollidieren.

(3) Ein Roboter muss seine Existenz beschützen, solange dieser Schutz nicht mit Regel eins oder zwei kollidiert.

Praxis

Die Anwendung dieser drei Regeln ist der Dreh- und Angelpunkt von ‚Ich, der Roboter‘. Der gespannte Bogen – ein Interview mit einer Robot-Psychologin – dient nur als Rahmen um einige Situationen miteinander zu verknüpfen, in denen die Interpretation dieser Regeln besonders schwierig ist; für Mensch und Maschine gleichermaßen.

Auf den ersten Blick mag das wie ein unnötiges Gedankenexperiment wirken – doch wäre dieses Urteil viel zu kleingeistig. Tatsächlich leben wir nämlich in der Zeit, in der diese Regeln zum ersten Mal praktische Anwendung finden. Die künstliche Intelligenz mag noch nicht auf dem Niveau sein, das Asimov seinen Stahl- und Drahtungeheuern angedacht hatte – und doch ist es schon soweit.

Unsere Zukunft

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Googles selbstfahrender Wagen ©Google

Der Präzedenzfall, von dem ich schreibe, ist das erste selbstfahrende Auto der Welt. Denn im Falle eines Unfalls hat ein Computer wesentlich mehr Zeit über die Konsequenzen seines Handelns ’nachzudenken‘. Wo der Mensch einfach instinktiv reagiert, kann der Computer noch Entscheidungen treffen. Und das wirft Fragen auf: Ist es in Ordnung während einem Unfall das einzig mögliche Manöver durchzuführen, dass die vier Fahrgäste im Innenraum schützt – auch, wenn dabei ein Kind am Straßenrand tödlich verletzt wird? Hat überhaupt der Fahrgast gegenüber den Menschen außerhalb Vorrang? Macht es einen Unterschied, wenn der Selbstfahrer ein Schulbus ist?

Die Regeln der Robotik sind nicht die einzigen Regeln, die wir aufstellen müssen. Aber sie sind ein Anfang; das Grundgerüst, sozusagen. Asimov schrieb in den beginnenden 1940ern über sie. Heute benötigen wir sie. Der Mann war ein Genie. Und diese Geschichten helfen uns, seine Überlegungen zu verstehen. Und die Probleme, die wir mit ihnen haben könnten.

Fazit

Wer sich auch nur Ansatzweise mit dem Thema auseinandersetzen möchte, der sollte Asimov auf keinen Fall aussparen. Gut … einige Geschichten wirken auf den heutigen Leser altbacken – und vor Allem die große Action fehlt natürlich. Trotzdem. Von Asimov kann man lernen.

Und das sollte man. 😉


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3 Kommentare zu „Rezension: Ich, der Roboter“

  1. Dieser Klassiker steht für 2016 ganz oben auf meiner Leseliste! Zum Glück gibt es da so schöne Neuauflagen. Die alten Cover waren ja mittlerweile etwas … äh… unmodern ^^ Ich finde deine Rezension super, weil du gleich die Diskussion umreißt. Hab einen guten Start ins neue Jahr!

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