Rezension: Silber – Das dritte Buch der Träume

Eine Medaille hat zwei Seiten

silber
Ein glitzerndes Cover? Echt jetzt…

Der dritte Teil der Silber-Trilogie wird gemeinhin als schwächstes Glied der Kette gesehen. Das stimmt auch. Kann man das Buch trotzdem toll finden?

Manche Leute hören sich gerne reden. Das kann furchtbar sein – muss es aber nicht, denn unter ihnen gibt es auch solche, die das gut können. Sie sind witzig, eloquent und versprühen einen bestimmten Charme – genau wie Liv Silber.

Bevor ich eine Rezension schreibe lese ich mir noch einmal die Notizen anderer zu einem Buch durch. Und kaum je ist das Urteil so durchwachsen wie beim dritten Teil der Silber-Reihe. Die einen finden ihn toll – die anderen völlig daneben. Um aber zu verstehen wieso beide Fraktionen (wenn ich es denn einmal so nennen darf) recht haben, muss man nicht einen sondern eher mehrere Blicke auf den Inhalt werfen. Und das möchte ich hier tun.

Knackig wie eh und je

Die Sprache der jungen Liv Silber ist knackig, witzig und so jugendliche wie eh und je. An dieser Schraube brauchte Kerstin Gier wirklich nicht zu drehen – sie war perfekt angezogen. Ein Umstand, der sie als großartige Zuhörerin ausweist; ist doch Jugendlichkeit leicht zu hören und um so schwerer zu schreiben – vor allem, wenn die eigene Teenager-Zeit sich doch deutlich von jener der aktuellen unterscheidet. Vielen wird gar nicht aufgefallen sein, dass Fr. Gier altersmäßig mindestens genauso nah am „Bocker“ dran ist wie an ihrer Protagonistin Liv. Und das ist eine Leistung, die man in diesem Zusammenhang wirklich würdigen muss.

Die Geschichte selbst ist in ihren Möglichkeiten durch verschiedene Rahmenbedingungen in ihren Entfaltungsmöglichkeiten begrenzt. Weil es sich zum Beispiel um Jugendliche Protagonisten handelt, muss das Umfeld auch ein junges sein. Die Ideen ihrer Figuren – ob es nun die guten oder bösen sind – müssen fest in den Köpfen von Teenagern verankert sein. Vielleicht ist es leichter das zu verstehen, wenn wir uns vorstellen, wie Stephen King einen Roman geschrieben hätte, in dem ein Charakter über die Möglichkeit verfügte in die Träume anderer einzudringen. Ich glaube jeder kann sich vorstellen, was den Unterschied ausmachte. Und weil sich Kerstin Gier eben nicht an Erwachsene sondern an Jugendliche wendet, darf sie diesen Grad an Bösartigkeit nicht erreichen – auch, wenn die Figur selbst in weiterer Folge vermutlich dazu fähig wäre. Diese Obergrenze ist ein Drahtseil, auf dem vom Autoren ein Show-Act erwartet wird.

Teenagerträume

Zwei Bücher lang schlägt sich Liv Silber also schon mit dem Wissen herum, dass neben der bekannten, realen Welt noch eine zweite existiert. Eine, in der all ihre Träume (und bedauerlicher Weise auch die der anderen) wahr werden. Ob sie das will oder nicht. In dieser Welt gibt es zwei, vielleicht aber auch drei, (Un-) Wesen. Die Daueranspannung wird von ihr so gut es geht an die Wand gewitzelt – und doch poppt die Bedrohung hier und da auf wie die ersten Maiskörner bei der Popcorn-Produktion. Es ist also nur normal, dass sie sich zunehmend wieder ihrem ’normalen‘ Leben zuwenden möchte. Es ist völlig in Ordnung, dass ihre Gedanken sich oft um ihren Freund Henry drehen. Und genau das sorgt eben für Längen in einem Buch, dessen Leser im Grunde nur wissen wollen, wie am Ende die Bösewichte in die Pfanne gehauen werden. Tja. Ein Dilemma.

Ist das Buch also gut, weil die Rahmenbedingungen grandios eingerichtet und -gehalten wurden? Oder ist es schlecht, weil die Wünsche der Leser zu wenig umgesetzt wurden?

‚Ja‘ muss die Antwort lauten. Denn auch ich hätte mir ein bombastischeres Ende gewünscht; eines, nachdem klar war, dass das Böse aus der Welt und die Sorgen dahin sind. Aber andererseits gibt es eben Grenzen – und hätte die Autorin diese überschritten, hätte der Band vielleicht nicht mehr in die Reihe gepasst.

Ob das unbedingt sein musste steht auf einem anderen Blatt. Mit ‚Harry Potter‘ hat JK Rowling damals schließlich auch bewiesen, dass eine Buchreihe mit ihren Lesern mitwachsen kann. Aber im Fall der Silber-Trilogie behaupte ich einmal, dass das Ende angemessen war. Vielleicht nicht das Beste, was rausgeholt hätte werden können, aber auch weit entfernt davon schlecht gewesen zu sein. Ich persönlich hatte nämlich den Eindruck, dass Liv sich gerne selbst reden hört. Doch das machte mir nichts aus. Sie ist eben witzig, eloquent und versprüht einen bestimmten Charme.

Ein Ende – und ein Nachsatz

Also: Keine Angst vor dem dritten Teil. Und so wie das Ende beschaffen ist, könnte man sogar noch einen vierten daran hängen. Einen mit einem vielleicht etwas … nuja … ‚bombastischeren Ende‘ eben. 🙂

Was vielleicht auch noch gesagt werden sollte: Wer auch immer für das Cover-Design verantwortlich zeichnet sollte nächstes Mal bitte darauf verzichten das letzte Buch mit einem Alleinstellungsmerkmal zu versehen. Schön, dass es glänzt. ABER ES PASST NICHT IN DIE REIHE. Argh. Das regt mich auf…

(Und jetzt geht’s mir wieder besser…) 😀


Die anderen Bände der Silber-Reihe

Das erste Buch der Träume

Das zweite Buch der Träume


Das Hintergrundbild im Titelbild wurde hier heruntergeladen. Es befindet sich in der Public Domain.

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