Rezension: Proxima (Proxima #1)

Am Anfang, da war wenig…

proxima
Das Cover des Heyne-Verlags ist einfach sen-sa-tio-nell!

Proxima Centauri – damit fing alles an. Oder nein – eher mit dem Merkur. Ja. Dem Merkur. Denn dort fand die Menschheit etwas, womit sie nicht gerechnet hatte. Die ‚Kernels‘. Was auch immer das genau sein mag.

Stephen Baxters Buch ist ein paar Stunden (naja … eigentlich so einige Stunden) wert. Aber nur, wenn man sich für seine Themen begeistern kann. Denn wenn er eines nicht kann, dann ist es sich kurz zu fassen. Dafür aber scheint mir, dass er in Sachen Wiederverwertung ein gesellschaftliches Vorbild sein könnte. Denn an vielen Stellen nimmt ‚Proxima‘ anleihen an ‚Die lange Erde‘ – ein Serien-Auftakt-Buch, das er gemeinsam mit Terry Pratchett kurze Zeit später schrieb.

Kernels-Kraft statt Atom-Meiler

In Proxima, dem ersten Teil der vielleicht auf zwei Bände beschränkten Serie von Stephen Baxter, erfuhren wir, dass die Menschheit mit Hilfe einer Technologie, die sie nicht verstehen konnte, unglaublich weite Strecken zurücklegen konnte. Das lag nicht daran, dass die ‚Kernels‘, wie sie die merkwürdigen kleinen Dinger nannten, sie selbst hätten vorwärts bringen können. Vielmehr ist es so, dass die Kernels eine unglaubliche Energiequelle darstellten. Eine von solcher Größe, dass sie die Skalen sprengte.

Flagge der Vereinten Nationen (UN) heute - Bildnachweis
Flagge der Vereinten Nationen (UN) heute – Bildnachweis

Die beiden auf der Erde verbliebenen Machtblöcke, die UN und China, rivalisierten bald in Sachen sinnvoller Nutzung und bauten Basen auf nahen Planeten, Raumstationen und nicht zu letzt große Transportschiffe, die für Tiefenraummissionen bestens geeignet waren. Obwohl ständig durchschimmert, dass der Frieden brüchiger ist, als beide Fraktionen der jeweils anderen glauben machen wollen, gelingt es weitgehend diesen zu wahren. Das ist – zumindest zum Teil – auch auf die Kern-KIs zurückzuführen. Künstliche Intelligenzen, deren Macht kaum eindämmbar scheint, und die stets ihr eigenes Ziel zu verfolgen scheinen.

Unter den Kern-KIs ist es vor allem ‚Erdschein‘, der sich hervortut. Sein Weitblick ist verblüffend. Und während auf der Erde noch Ränke geschmiedet werden, schickt die Menschheit schon ihresgleichen ins All, untergebracht auf riesigen Transportschiffen und geschickt auf eine Mission mit unbekanntem Ausgang.

Der Traum der Menschheit

Schließlich erreicht eines der Transportschiffe (gestartet von der UN) den uns nächstgelegenen Stern – Proxima Centauri. Dort, so hofft man, wird man die erste ‚echte‘ Kolonie gründen können. Doch die Neuankömmlinge finden in erster Linie etwas vor, womit man sowieso gerechnet hatte: Eine völlig neue, andersartige Landschaft.

Darstellung eines roten Zwergs (wie Proxima C.) - Bildnachweis
NASA-Darstellung eines roten Zwergs (wie Proxima C.) – Bildnachweis

Denn Proximas Licht ist nicht mit dem der irdischen Sonne (‚Sol‘) zu vergleichen. Während Sols beständiges Strahlen von der Erdrotation in einen Tag- und Nachtzyklus verwandelt wird, steht Proxima Centauri (der Planet, auf dem die Kolonie gegründet werden soll) ewig mit der gleichen Seite zu seinem (Flare-) Stern. Die eine Hälfte des Planeten ist also stets taghell – die andere dafür nachtdunkel. Jahreszeiten kommen nur zustande, wenn der unzuverlässige Licht-Lieferant mit ‚Flecken‘ zu kämpfen hat, die sich auf seiner Oberfläche bilden.

Auch das Leben auf Proxima C sah ganz anders aus, als auf der Erde. Alles schien aus merkwürdigen ‚Stängeln‘ zu bestehen, die zwar unterschiedlich beschaffen und geformt sein mochten, auf eigenartige Weise jedoch trotzdem untereinander gleich waren. Und das galt nicht nur für die Flora; auch die Fauna bestand großteils aus diesen Stängeln. Von kleinen, geistlosen Lebewesen bis zu den ‚Erbauern‘, eine scheinbar intelligente Spezies mit nahezu undurchschaubaren Verhaltensmustern. Ja, es ist eine eigene Welt, die sie vorfinden. Ein Produkt einer völlig anders verlaufenen Evolution.

Während die Kolonisten, gemeinsam mit der künstlichen Intelligenz der KolE (sprich: ‚Kolonisierungseinheit‘), ihr bestes geben um nicht verhungern zu müssen, wird in der Heimat stets weitergeforscht. Schließlich wird auf dem Merkur, tief unter der Oberfläche, etwas gefunden, das vielleicht noch unglaublicher scheint. Ein Loch im Boden, mit einem Deckel verschlossen. Eine Luke.

Es dauert, bis jemand durch diese Luke steigt. Aber als es soweit ist, kommt der Leser endgültig aus dem Staunen nicht mehr heraus.

Fazit

Proxima C ist vor allem eines: Ein unglaublich gut ausgebautes Konglomerat an verschiedenen mehr oder weniger aktuellen Thesen. Die Story selbst kommt nur langsam voran und scheint über weite Strecken ohnehin nur Beiwerk zu sein. Man merkt deutlich, dass Stephen Baxter die Geschichte hauptsächlich geschrieben hat, um über sie Themen zu forcieren, die ihn eigentlich interessieren – unter ihnen zweifelsfrei der Weltraum, die Zeit (und das verstreichen derselben) und, zu guter Letzt, auch die ‚Viele-Welten-Theorie‚.

Ich habe es gerne gelesen, auch wenn es zeitweilig recht langatmig war. Das liegt zum einen daran, dass Hr. Baxter sich nicht richtig kurzfassen kann. Zum Anderen aber sicher auch daran, dass die Geschichte selbst für mich eher die zweite Geige spielte.

Gemeinsam mit der verstorbenen Schriftsteller-Legende Terry Pratchett geschrieben: Die lange Erde.
Gemeinsam mit Terry Pratchett geschrieben: Die lange Erde.

Eine der zu Beginn erwähnten Parallelitäten zwischen ‚Die lange Erde‘ und ‚Proxima‘ ist übrigens die künstliche Intelligenz ‚Erdschein‘. Denn im Grunde stimmen viele seiner Eigenschaften auch mit jenen von ‚Lobsang‘ überein. Beide Bücher sind darüber hinaus relativ langatmig und haben den gleichen Intellektuellen Brennpunkt. Besonders wer die Proxima-Fortsetzung ‚Ultima‘ gelesen hat, weiß, was ich meine. 😉

Empfehlen kann man das Buch jedenfalls nur jenen, die sich für die Theorien rund um Raumzeit und Multiversum begeistern können.

Kurzum: Menschen, wie mich. 🙂


Weitere Rezensionen: Ich konnte keine (deutschsprachige) finden. Schlimm, schlimm. Jetzt fühl‘ ich mich selbst ien wenig wie ein Pionier…


Stephen Baxter | Proxima | 978-3453315792 | (D) € 10.99 | (A) € 11.30


Bildinformation: Das Hintergrundbild im Titelbild wurde hier heruntergeladen. Es befindet sich in der Public Domain.

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