Rezension: Ms Marvel, Band 1

Vorwort

Jung und witzig: Die "neue" Ms Marvel
Jung und witzig: Die „neue“ Ms Marvel

Sie ist 16. Sie ist Muslima. Und sie entspricht so wenig dem gängigen Schema, dass sie schon wieder dem Schema entspricht: Ms. Marvel, eine der neuesten Figuren aus dem gleichnamigen Comic-Verlag.

Die jüngste Welle politischer Korrektheit, die über die Helden des Marvel-Universums hereingebrochen kam, ersetzte Thor durch eine Frau, Spiderman zumindest teilweise durch einen Latino, Cpt. Amerika durch einen Afroamerikaner und wird (zumindest verdichten sich zum Zeitpunkt der Rezension die Hinweise auf diese Entwicklung) auch Wolverine mit einer weiblichen Nachfolgerin beehren.

Freilich kann man über jede einzelne Entwicklung diskutieren – und diskutiert wurde eine Menge! – doch kann man eines festhalten: Besonders kreativ waren diese Veränderungen nicht. Sie waren einfach nur die Folge eines falsch verstandenen Diversitätsausbruchs (anders kann man das auf Grund des Umfangs kaum noch nennen), der sich selbstverständlich nur in der Welt gezeichneter Comic-Helden auswirkte; das wesentlich lukrativere Marvel Cinematic Universe (MCU) wurde davon „verschont“. Die Gründe liegen auf der Hand: das deutlich breitere Kino-Publikum würde derlei Veränderungen nicht so einfach hinnehmen. Oder zumindest wird das vermutet.

Die Zukunft der Comics

Nun kann natürlich niemand ernstlich etwas dagegen sagen, wenn Latinos und Latinas, Afroamerikaner und Afroamerikanerinnen, Marsianer und Marsianerinnen die Comic-Welt bereichern. Das ständige und plumpe Ummodeln bereits bestehender Charaktere war allerdings ein nur mäßig erfolgreicher Schritt. Und so freute es mich dann doch, dass mit „Ms Marvel“ dieser Weg eben nicht beschritten wurde. Denn die Heldin dieser neuen Comic-Reihe ist eine Neuschöpfung, auch wenn das nicht gleich und auf den ersten Blick zu sehen ist. Wohl übernimmt sie nämlich (zumindest teilweise) die vakante Position von Cpt. Marvel (die dzt. nicht aktiv ist), allerdings eher aus Versehen.

Die Story

Die Story pendelt zwischen den Teenager-, Integrations- und Heldenproblemen der neu geschaffenen Superjugendlichen und deckt alles ab, was man auf einer ToDo-Liste finden könnte, wenn man einen solchen Charakter entwerfen möchte. Und genau da liegt – meiner Meinung nach – auch das Problem des Comics: Er ist so sehr darauf bedacht zu zeigen, wo sich Ms Marvel von allen anderen Helden unterscheidet, dass ihre Geschichte in vielen Punkten leicht vorauszuahnen ist. Wäre nicht der zweifelsfrei vorhandene Witz, den die Autorin gekonnt in die Geschichte einwebt; ich fände es unerträglich ihn zu lesen.

Aber genau das ist der Punkt: Der Humor macht den Comic lesenswert. Denn auf seine ganz eigene Art relativiert er in vielen Fällen Elemente, die sonst all zu belehrend oder künstlich Verbindend wirkten.

Leider hinkt die grafische Umsetzung in vielen Punkten den anderen Reboots um einiges hinterher. Kaum werden Figuren aus ein wenig Entfernung dargestellt, mutieren Gesichter zu Strichzeichnungen und Details verschwinden, als hätte es sie nie gegeben. Insgesamt ausgesprochen mangelhaft, finde ich.

Fazit

Mein Fazit ist also sehr durchwachsen. Einerseits stellt Ms Marvel einen wesentlich kreativeren Ansatz als das simple Austauschen eines Helden dar, andererseits ist die Umsetzung in vielen Bereichen schlechter als bei anderen Neustarts. Vor Allem der grafische Stil ist mir ein Dorn im Auge. Nichts desto Trotz werde ich mir auch den zweiten Band kaufen – vielleicht fehlt gewöhne ich mich daran. Und außerdem ist die junge Dame witzig. 🙂

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