Das Styling

Moorlandschaft
Moorlandschaft

(Vorsicht: Hier handelt es sich um eine kleine, phantastische Geschichte!)

Gestern durchwanderte ich einen Wald, in dem ich noch nie zuvor gewesen war. Er war nicht besonders groß, doch die frische Luft und die Bäume ringsum waren eine Wohltat für meine Nerven.

Als ich mich auf den Heimweg machte, stellte ich erschrocken fest, dass ich ihn nicht an der Seite verließ, von der aus ich ihn betreten hatte. Ich stand vor einigen riesigen Feldern, die brach lagen. Nun … es ist Januar – und auch wenn kein Schnee liegt, so sprießt im Augenblick jedenfalls noch nichts.

Ich beschloss den Weg entlang zu gehen, der zu einem Haus am Horizont führte. Mein Handy hatte keinen Empfang – und da ich mir nicht sicher sein konnte den richtigen Ausgang aus dem Wald zu finden, wenn ich ihn noch einmal durchwanderte, beschloss ich in dem Haus nach einem Telefon zu fragen. Die Taxirechnung würde enorm werden, wusste ich. Andererseits war das immer noch besser als sich vollends zu verlaufen.

Während ich den Weg entlang ging und die Kiesel unter meinen Stiefeln knirschten, begann es zu nieseln. Feine Tröpfchen überzogen meine Brille wie ein Netz. Über mir verdunkelten sich die Wolken weiterhin. So etwas hatte ich noch nie gesehen. Ich beschleunigte meinen Schritt.

Als ich das Haus endlich erreicht hatte, verwandelte sich das Nieseln in prasselnden Regen. Das Wasser fiel vom Himmel wie Klumpen eines Meteoritenschauers – ich musste schnellsten Unterschlupf finden. Dass auf dem Schild über der Türe „Friseur Kniesebein“ stand, änderte nichts daran. Im Notfall würde ich mir eben auch eine neue Frisur machen lassen.

Ich betrat den Laden. Eine ältere Frau wandte sich zu mir um. Es kostete mich all meine Selbstbeherrschung keinen spitzen Schrei entfahren zu lassen, als ich die riesige Warte auf ihrem Kinn bemerkte. Das Ding sah mich an! Und die Alte ebenfalls.

„Guten … Abend. Ich … äh … benötige ein Telefon. Ein Taxi.“, stammelte ich.

Sie lächelte und sagte etwas davon, dass sie leider kein Telefon besaß. Der Regen wäre aber für diese Gegend nicht ungewöhnlich – und ich solle einfach Platz nehmen. Ich tat wie mir geheißen.

„Wie wollen Sie die Haare denn?“, fragte sie. Ihre Stimme klang wie das Quietschen eines Messers auf einem Teller.

Es dauerte, bis ich antwortete. Die Warze war so nahe an mich herangekommen, dass ich mir nicht mehr sicher war, ob sie sich nicht gleich auf mich stürzen würde. Sind diese Dinger denn ansteckend?

„Entscheiden Sie.“, presste ich zwischen den Lippen hervor.

Die Alte kicherte und machte dabei gleichzeitig ein Geräusch wie das Schaben eines Löffels auf einem Holztisch. Doch als sie anfing mir die Haare zu waschen, tat sie das mit einer Sanftheit, die mich dazu brachte alles um mich herum zu vergessen. Ich schlief ein.

Als ich die Augen das nächste Mal öffnete, erinnerte ich mich wieder an alles. Dummer Weise war „alles“ in der Zwischenzeit allerdings verschwunden. Dafür stand ich vor meiner Wohnungstür, mit dem Schlüssel in der Hand. Ich zuckte mit den Schultern, taumelte in den Raum und ging direkt ins Badezimmer. Ich war über und über mit Wasser bedeckt und wollte mich nicht erkälten.

Mein erster Blick in den Spiegel brachte mein Weltbild nicht ins Wanken. Er warf es aus dem 18. Stock und ließ es an den harten Fakten zerschellen. Seht selbst.

DerSinn Wasserkopf

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3 Kommentare zu „Das Styling“

    1. Na das hört ein verhinderter Autor doch gerne – vielen Dank! :mrgreen:

      Ich werde gerne von Zeit zu Zeit etwas in der Richtung posten. Allerdings bin ich hobbymäßig eher auf der Horror-Schiene. 🙂

      Gefällt mir

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