Die Sowjetmacht

Die Sowjetmacht: Das erste Jahr

Die Sowjetmacht
Die Sowjetmacht

Ein Sturm tobt

Als im Oktober 1917 die russische Revolution über alles hinwegfegt, was den Alltag der Menschen im größten Land der Erde ausmachte, waren ihre Institutionen beinahe vollständig der Wut der Massen ausgesetzt. Nur wenige, davor bereits durchgesetzte, Einrichtungen überlebten.

Doch was geschah unmittelbar nach diesem Ereignis-Tsunami?

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Die Sicht auf Hindernisse freimachen

Nachdem der Staub sich aber gelegt hatte, erkannte man schnell, dass die „sozialistische Revolution“, mit ihren Sowjets, roten Flaggen und jeder Menge Hoffnung, sich einer Vielzahl anderer Probleme zu stellen hatte, als „nur“ dem Feind im eigenen Land: Die Deutschen waren bereits tief in das Territorium der jungen Republik vorgedrungen und schienen mit den Hufen zu scharren. Großer Hunger, den geplagten Arbeitern ohnehin kein Fremder, warf seinen (gar nicht so langen) Schatten voraus und kündigte weitere Schwierigkeiten für die Partei um Lenin und Trotzki an, die das Land zu dieser Zeit bereits anführten.

Zwischen den Lagern

Rechts – Links. Die Menge war zerrissen zwischen Ideologien und deren Sub-Richtungen. So kämpften neben und mit den Bolschewiki, der Partei Lenins, die Linkskommunisten und linken Sozialrevolutionäre, nachdem die „gemäßigten Kräfte“ – in diesen Tagen, so erschließt sich recht schnell, tatsächlich fehl am Platz – bereits ausgeschaltet waren.

Der Erste sein

Aleksandr Rabinovic, der als einer der ersten westlichen Historiker die geöffneten russischen Staatsarchive in den 1990ern durchforsten durfte, hat mit „Die Sowjetmacht“ ein einzigartiges Fenster zu diesen fernen Tagen geschaffen, durch das der Leser in die Lage versetzt wird die verwirrenden Ereignisse, die im Minutentakt über die gebeutelte Gesellschaft der sowjetischen Republik hereinbrachen, mitzuerleben. Der große Detailreichtum macht es, zumindest gelegentlich, unmöglich sich die vielen Namen zu merken, doch dieses Risiko einzugehen lohnt sich.

Was wir aus dem ersten Jahr nach der russischen Revolution lernen können, liegt auf der Hand: Eine neue Gesellschaft gründet sich nicht über Nacht. Solche Veränderungen gehen langsam von statten – oftmals langsamer, als es einem lieb ist. Und manchmal verläuft diese Transformation ganz anders, als ihre Initiatoren es sich ausmalen. So spülten die Fehler und Unaufmerksamkeiten von Lenin und Trotzki letztlich Stalin an die Macht, der sie an sich riss wie den letzten Bissen Brot vor einer langen, proviantlosen Reise.

Am Ende stellen wir fest, dass diese Tage gar nicht so fern sind, wie wir immer geglaubt haben.

Fazit

Ich möchte dieses Buch allen empfehlen, die sich mit der russischen Revolution ernsthaft auseinandersetzen möchten – und dabei vor Details nicht zurückscheuen. Für einen einfachen Überblick ist „Die Sowjetmacht“ ein wenig zu genau, was schnell in Langeweile und Überforderung umschlagen kann.

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2 Kommentare zu “Die Sowjetmacht: Das erste Jahr”

  1. Danke für den Artikel, wobei ich zugeben muss, meine erste Reaktion auf die Phrase über die Berechtigung für den Autoren, in den neu geöffneten Archiven zu arbeiten, war kaltes Schaudern: im russischen Sprachraum zirkulieren seit der Disintegration tausende Bücher, die von den Menschen geschrieben sind, die angeblich über superexklusive Geheiminformation verfügen. Jeder dreht die Fakten dabei natürlich so wie man will, es scheint mir mittlerweile, dass das Russische in diesen 20 Jahren gar keine neue Historiographie erarbeitet hat: es gibt entweder die Nostalgiker oder die Gauner, nichts in der Mitte. Aber wenn das Buch wirklich so gut ist, sollte ich es vielleicht durchblättern. Danke für die Empfehlung!

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    1. Hi!

      Bitte, gerne. Die Sache mit dem „als Erster“ geht auf einen Fehler zurück. Ich wollte schreiben „als erster Historiker aus dem Westen“, hab‘ aber offensichtlich vergessen das auszubessern. Und selbst das muss ich relativieren, da er höchstens „einer der ersten“ war. Mea culpa. 🙂

      Ja, die Geschichtsfälschung treibt natürlich weiterhin ihre Blüten, das ist klar. Für einen Historiker ist es, denke ich, außerdem unmöglich seine eigene Meinung herauszuhalten – und das merkt man (natürlich) auch in diesem Buch deutlich. Es reicht schon, wenn man auf den Verlag schaut, um zu sehen aus welcher Richtung der Wind weht (PSG, Wikipedia).

      Trotzdem – das Buch ist wirklich gut. 😉

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