Er ist wieder da (Cover)

Er ist wieder da.

Er ist wieder da (Cover)
Er ist wieder da

Wenn Adolf Hitler in „Er ist wieder da“ von Timur Vermes im Jahr 2011 wieder aufwacht, dann ist das zunächst nicht sonderlich originell. Es erinnert an Herbert Rosendorfers „Briefe in die chinesische Vergangenheit“, erzeugt im Kopf Bilder von bekannten TV-Formaten, in denen ein als Führer verkleideter Schauspieler durch die Stadt hopst und seine Sendung darauf aufbaut, dass die Menschen schockiert sind.

Trotzdem ist dieses Buch genial.

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Es ist Nicht das Gleiche.

Doch dieses Buch ist anders. Klar, auch dieses Buch geizt (vor Allem anfangs) nicht damit den Protagonisten in groteske Situationen zu bringen, die einen, sofern der notwendige emotionale Abstand gegeben ist, zum Schmunzeln anregen. Etwa, wenn er sich darüber freut, dass die Städte im Krieg weitestgehend zerbombt wurden um dem Feind keinerlei Infrastruktur zu überlassen. Und ja – diese Szenen sind gut gelungen.

Die eigentliche Stärke von „Er ist wieder da“ machte ich aber in einem ganz anderen Bereich dingfest: Dort, wo es regelrechtes Schock-Potenzial hat. Denn ähnlich wie der chinesische Mandarin aus fernen Zeiten, über den Rosendorfer schreibt, betrachtet er unsere Welt mit seinen Augen, versucht Ansatzpunkte für ein mögliches politisches Comeback zu finden – und ist dabei höchst erfolgreich.

Der Einstieg

Zunächst öffnet ihm sein Äußeres und die Tatsache Tür und Tor, dass er niemals aus seiner vermeintlichen Rolle fällt. Die ihn aufnehmende Fernsehbranche hält ihn für einen methodischen Schauspieler, der seine Figur auch außerhalb der Sendung nach außen trägt, um die bestmögliche Performance zu bieten. Diese Außenwahrnehmung scheint Hitler großteils nicht klar zu sein, denn hinter den Mauern des Senders baut er – zumindest aus seiner Perspektive – seine Partei neu auf. Als gefeierter Star-Moderator kommt er schließlich in alle Winkel unserer modernen Gesellschaft, wie etwa die Parteizentrale der NPD, und stellt Verbindungen zur BILD-Zeitung her, deren Seriosität er mittels weniger Kniffe als nonexistend nachweißt.

Und all das erreicht er, in dem er genau das tut, was er vor so langer Zeit getan hat. Er hetzt, er analysiert die Schwächen unseres Systems – und erntet Anerkennung und Folgsamkeit. Die bürgerliche Demokratie wird von ihm, in diesem Fall dem Autor, derart gekonnt und mit nur wenigen Worten so charakterisiert, dass selbst denjenigen, die sich sonst nicht mit ihr befassen, klar wird: Hier herrscht ernstlich ein Missstand, den eine Person wie Hitler auszunutzen in der Lage wäre.

Das große Gruseln

Machen wir uns nichts vor. Das eigentlich Geniale an diesem Buch ist nicht seine Storyline. Das eigentlich Geniale an diesem Buch sind nicht die vielen witzigen Situationen oder die Szenen, in denen Vergangenheitsbewältigung der traurigen, zornigen, begeisterten oder abstrusen Art thematisiert wird. Das eigentlich Geniale an diesem Buch ist, dass der Leser gezwungen ist der (authentisch wirkenden) Analyse eines Adolf Hitler zuzustimmen. Zwar mit der Einschränkung, dass obwohl die Problemanalyse richtig ist, die Lösungsstrategie dafür stets grotesk bleibt – aber dennoch: Man ertappt sich dabei, wie man einem der schlimmsten Diktatoren aller Zeiten zustimmt. Und das ist für viele eine schockierende Erfahrung.

Fazit

Ich empfehle dieses Buch allen, die den schon erwähnten notwendigen emotionalen Abstand zur NS-Zeit haben und sich nicht nur amüsieren möchten. Jenen, die über den Führer lachen können, wenn er dem Fernseher für die Zusammenfassung einer völlig

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6 Kommentare zu “Er ist wieder da.”

    1. Allerdings, das war’s. Hätte ruhig ein wenig … entschiedener … ausgehen können. So wirkt es ein wenig, als versuche man sich einen zweiten Teil vorzubehalten.

      Nur, dass ich mir den nicht recht vorstellen kann…

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  1. Ich glaube, solange meine Großeltern noch leben, werde ich den nötigen emotionalen Abstand für so etwas nicht erreichen. In Deiner Buchbesprechung bekommt man aber einen sehr guten Eindruck vom Buch.

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    1. Ja, die Nachhut war auch gut. Ich habe sie zwar nicht ganz gelesen – aber aus Zeitmangel, damals. 🙂

      Soweit ich mich erinnere, war die ganze Geschichte sogar weit glaubwürdiger…

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