Imperium

Imperium
Imperium

Noch bevor ich das Buch ‚Imperium‘ las, hatte ich das (im Nachhinein höchst zweifelhafte) Vergnügen die Rezension von Hrn. Diez im Magazin „Der Spiegel“ zu lesen. In selbiger spielt sich genannter Urheber zum Scharfrichter über das Werk auf und denunziert es nach allen Regeln der Kunst.

Zugegeben: Auch er hat nicht in <i>allen</i> Punkten unrecht. Doch der Ungeist, der seinem Pamphlet entströmt, kann nicht einfach ignoriert werden. So schlüpft er während des Abfassens wohl in die Rolle der personifizierten ‚Political Correctness‘, mokiert sich etwa über den angeblich rassistischen Hintergrund (wohl weil Kracht eine Kannibalen-Insel einbaute und die Geschichte mit Worten eines Menschen mit der Weltauffassung des beginnenden 20. Jahrhunderts schrieb).

WARUM DAS ALLES EIGENTLICH?

Selbstverständlich erwähne ich die obige Rezension nicht aus purer Langeweile, oder um meine eigene irgendwie darüber zu erheben. Mir selbst gefiel das Buch nämlich schlichtweg nicht besonders. Es war in Ordnung. Eine recht dünne Story mit nicht ganz einfacher Sprache erzählt, zuweilen sogar recht unterhaltsam und von kurzweiligen Übertreibungen durchdrungen.

Des Pudels Kern

Denn sie basiert auf der (realen) Geschichte des August Engelhart, der nichts weniger wollte als die Menschheit mit einer neuen Religion zu beehren, die nichts weniger als ein (vollständiges) Ausrichten der Ernährungs- und Lebensgewohnheiten an der in seinem Wahldomizil Deutsch-Neuguinea wachsenden Kokosnuss zum prägenden Inhalt hatte.

Kracht erzählt seinen „stückweisen“ abstieg in die Welt des Irrsinns, wobei er ohnehin auf recht niedrigem Niveau mit seiner Reise beginnt – denn die Idee zu dieser Lebensphilosophie hatte Engelhart bereits im heimatlichen Deutschland, also <i>bevor</i> er die Segel setzte.

Krankheit, Schwächung und schlechter Umgang (nämlich mit Menschen, die seine Ideen nicht automatisch als Wahnwitz abtaten) ließen ihn immer tiefer in eine Spirale innerer Zerrissenheit gleiten, machten ihm zu schaffen und mündeten schließlich in einen Charakter, der nicht nur das exakte Gegenteil dessen war, was der Migrant Engelhart zu Beginn des Abenteuers darstellte, sondern auch noch in einen solchen, der diese Tatsache vor sich selbst zu verbergen suchte. Wie ein Schwamm sog er (zumindest in dieser Erzählung!) alles auf, was man heute als ethisch und moralisch verwerflich ansehen würde – sei es nun der genannte Kannibalismus und seine Beurteilung oder der Antisemitismus, der in Europa zu diesem Zeitpunkt bereits an der Tagesordnung stand.

Fazit

Ja, wenn man es sich recht überlegt war es eigentlich ein nichts-aussagendes Buch, wie es Biographien etwa zumeist sind. Sie <i>können</i> eine Aussage enthalten – müssen aber nicht. Eine ‚Moral von der Geschichte‘ sehe ich jedenfalls nicht und müsste schon selbst phantasieren um eine solche von außen zu injizieren.

Das alleine macht aber kein schlechtes Buch daraus. Für mein weiteres Leben wird es allerdings völlig belanglos bleiben.

Empfehlung

Empfehlen möchte ich es niemandem explizit. Wo keine Aussage ist, da ist höchstens der Forscherdrang die Triebfeder der Lektüre – und so kann man ‚Imperium‘ dann am Besten genießen, wenn man entweder ein deklarierter Fan von Südsee-Geschichten ist, oder ein historisches Interesse an Deutsch-Neuguinea, dem Kolonialismus oder (warum auch immer) an August Engelhart selbst hat.

Advertisements

Dein Senf:

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s