Mein Leben als Cafe-Latte-Mama

Tom Schoenbrunn
Der Grund für meine Karenz.

Eigentlich eigne ich mich für die ‚Zwischendurch-Berufsbezeichnung‘ nicht, die ich im Titel benutzt habe. Erstens mag ich Milch nicht besonders. Nur wenige Ausnahmen bestätigen in meinem Fall zufällig und tatsächlich die Regel. Aber zweitens ist Kaffee ohnehin nicht meins.

Gut … ich trinke ihn zuweilen am Morgen, aber nur um ausreichend Koffein aufzunehmen um den Tag zu überstehen. Aber was soll’s. :mrgreen:

Tjoa … und mit meinem Bart wirke ich noch nicht einmal feminin. Aber bisher habe ich noch nichts von Kakao-Vätern gehört, die in meinem Fall wohl das ‚logische‘ Gegenstück dazu wären. Wie dem auch sei – ich gehöre für die nächsten drei Monate in diese Kategorie.

Das ‚Warum‘

Derzeit befinde ich mich in Karenz (Elternzeit), wie das so schön heißt. Meine Hauptaufgabe besteht darin Windeln zu wechseln, die Kinder zu versorgen und mich über Menschen aufzuregen. Eigentlich also genauso wie sonst – nur, dass ich jetzt viel mehr Zeit für alle drei Elemente habe.

Als gebranntes Kind besuche ich üblicher Weise keine anderen Cafés. Erstens, weil ich dort natürlich zahlen muss – und zweitens, weil die Menschen dort auch nicht anders sind als bei uns. Bloß, dass sie zwischendruch keine Bücher aus den 1930er Jahren so dringend bestellen, dass Einstein selbst auf die Quantentheorie verweisen hätte müssen.

AberStarbucks ist kein Café wie jedes andere. Also beschloss ich heute einmal dort ein paar Minuten Zeit zu verbringen.

Im Starbucks

‚Sohnemann der Jüngere‘ und ich bestellten uns einen mittleren Kakao und eine Schokotorte. Letzteres war wohl ein Jahresvorrat an Haushaltsschokolade, so komprimiert, als hätte man es im Mariannengraben gebacken.

Noch während wir auf besagte Stückchen Fettleibigkeit warteten, schubste uns ein mobiler Berg von hinten an. Ich bin selbst nicht schlank, aber die Dame hinter mir war dermaßen Korpulent, dass Siegfried der Drachenjäger nicht gewusst hätte, wo er anfangen sollte.

Schnell sah ich mich nach allen Seiten um – Starbucks war im zweiten Stock des Einkaufszentrums untergebracht und ich konnte mir nicht vorstellen, dass sie’s ohne Kran da hinauf geschafft hatte. Wäre sie mit dem Aufzug gefahren – die Warnsirene hätte ihre Ankunft schon verkündet…

‚Das Selbe wie immer?‘, hörte ich die Barista sie fragen.

Ein Nicken musste wohl die Antwort gewesen sein, denn die Dame hinter der Theke rief ihrem Kollegen zu: „Zwei Café Latte, large.“

Ganz in der Nähe…

Ohne weiter darauf zu achten was geschah, wandte ich mich meinem Sohn zu. Ein letzter Blick auf seine saubere Kleidung, sozusagen. Jedenfalls nahmen wir unweit von der Theke auf einer Bank Platz, und ich begann den Kuchen so gut es ging vor seinem Appetit zu verteidigen.

Zu nah!

Gegenüber setzte sich bereits beschriebene Dame zu einer offensichtlich Bekannten. Nicht, dass man nun annimmt, dass einer der beiden bestellen Kaffees für diese gewesen wäre…

Jedenfalls bemühte ich mich meine Konzentration voll und ganz zurück auf meinen Sohn zu lenken, der inzwischen – geschickt, wie er nunmal ist – mit der Gabel und den darauf klebenden Schokoladeresten Batik-artige Muster auf sein T-Shirt malte.

Doch dann lies die Cafe-Latte-Konsumentin einen Satz vom Stapel, bei dem ich dagegen ankämpfen musste, dass mir der Kakao aus der Nase sprudelt.

„Und da sagt die fette Sau zu mir, ich soll ‚was arbeiten! Dabei kriegt die ihren Arsch nichtmal hoch um ins Café zu gehen.“

Wah!

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6 Kommentare zu „Mein Leben als Cafe-Latte-Mama“

  1. Hahaha, sehr geil 🙂 Da hat es sich wohl gelohnt, die Karenzzeit zu nehmen, bei alldem, was man erleben kann… vielleicht gehst Du nächstes Mal doch lieber wieder in den Zoo.. 😉

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  2. Starbucks war mal ganz böse und hat afrikanische Kaffeebauern in Südamerika ausgebeutet. Soweit ich mitbekommen habe, haben die ihre Ausbeutungspolitik geändert. Trotzdem vertraue ich denen weiterhin nicht.

    Wenn Du keinen Kaffee magst- hast Du´s mit Energy Drinks versucht?

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