Whores‘ Glory

Whores Glory
Whores Glory

Filmische Dokumentationen sind ein Mittel den Menschen in meiner Umgebung schnell und (zumeist) kostengünstig ein Stöhnen zu entlocken. Ich sehe durchaus gerne ‚fern‘, auch wenn das nicht unbedingt bedeutet, dass ich dazu einen Fernsehsender brauche. Viel eher mache ich Videotheken oder die eigene DVD-Sammlung unsicher.

Nicht massenkompatibel

Das liegt hauptsächlich daran, dass mein Geschmack nicht gerade dem Mainstream entspricht. Ich bin der Typ Mensch, der sich gerne Sozialstudien ‚antut‘. Und, wie man an den Büchern die ich hier rezensiere (zumindest jenen, die sich nicht im Stephen King – Universum abspielen) sicherlich bemerken kann, habe dabei meine eigene Vorstellung von der Bedeutung des Wortes ‚interessant‘.

So bin ich zum Beispiel unheimlich begierig auf Informationen rund um die menschliche Sexualität. Was jetzt wie eine billige Ausrede dafür klingt regelmäßig einschläge Videostreaming-Websites zu benutzen (ein Schelm wem sofort eine einfällt!) entspringt in Wirklichkeit einem anderen Ansatz. Ich bin einfach schwer davon überzeugt, dass der Sexualtrieb (wie auch immer er sich im Detail gestalten mag!) der vermutlich stärkste ist, den wir kennen. Abseits der für die Selbsterhaltung notwendigen unter seinesgleichen jedenfalls.

Wie er sich genau äußert – oder besser: Was genau er uns abverlangt! – ist, meiner Meinung nach, der Motor hinter einer Vielzahl von lebensentscheidenden Wendungen. Alleine auf welches Geschlecht wir uns in unserem Bedürfnis nach intimer Nähe fixiert haben kann schon das ganze Leben zum überwiegend Guten und zum Schlechten wenden. Also … bezogen auf unsere Lebensqualität.

Das Spiel des Lebens bleibt eben Glückspiel

Als Beispiel: Ein in Südafrika lebender Homosexueller hat’s deutlich schwerer. Alleine die Tatsache, dass er schwul ist kann ihm das Leben dort wahrlich zur Hölle machen – und dabei kann er nicht einmal etwas dafür (und tut in Wahrheit damit natürlich auch niemandem etwas an!).

Was sich so selbstverständlich anhört ist es aber gar nicht! Denn vor Allem in religiösen Kreisen und älteren Generationen ist das alte Märchen von der ‚eigenen Schuld‘ eines Homosexuellen nicht nur weit verbreitet, sondern geradezu verinnerlicht; ja systemimmanent!

Von ein paar vorsintflutlichen (ich liebe Paradoxe – schon ‚mal erwähnt?) Sabberlappen verbreitet hält sich diese Idiotie so konsequent in den entscheidungstragenden Schichten unserer Gesellschaft, dass wir heute ernsthaft noch darüber streiten ob sie lesbische und schwule Pärchen vor einem albernen Tischchen mit einem dahinter abgestellten (von rechts wegen areligiös handelnden!) Staatsbeamten dieselbe Unwahrscheinlichkeit an den Kopf werfen dürfen wie heterosexuelle Paare auch (von wegen ewiger Liebe und so…).

Es geht weiter!

Darüber hinaus hört die Indiskretion unserer Mitmenschen ja nicht dort auf wo sie unberechtigt nach den persönlichen Vorlieben in Sachen Geschlecht fragen. Auch jede andere Obsession, egal ob sie sich im Alltag anders äußert als ihre Abwesenheit, wird gnadenlos besprochen. Zugegeben: Ich musste auch Lachen, als man Leslie Nielsen in ‚die nackte Kanone‘ ein spezielles Geräte im Sexshop verleugnen ließ! Aber es ist mir egal ob er das privat macht oder nicht – und ich mache meine Freundschaft nicht davon abhängig ob jemand gerne Plastik an seine Weichteile führt oder mit Tiernamen angesprochen werden will. Ausgeschlossen muss nur werden, was nicht einvernehmlich geschieht oder Schaden anrichtet. Definitionen dafür gibt es genug.

Aber ich schweife ab!

Kommen wir zum Kern des Posts…

Es gibt da noch ein Thema das in dieses Gebiet fällt: Die Prostitution. Sie ist ein nicht einfacher Brocken Diskussionsstoff, hängt sie doch (vor Allem emotional!) mit so vielen anderen Kerngebieten gesellschaftlicher Meinungsbildungsprozesse zusammen, dass sie kaum mehr von ihnen zu trennen ist.

Ich möchte hier besonders moralinsaure Argumentationen vermeiden, deshalb überspringe ich jeden Disput über Zwangsprostitution. Man darf mir glauben, dass ich nicht dafür bin Menschen zu etwas zu zwingen – aber auch sie zu entmündigen und ihnen zu diktieren ob es nun ‚vertretbar ist oder nicht‘, dass zwei erwachsene Menschen sich auf einen Preis für körperliche Nähe einigen steht für mich außer Frage.

Das verblüffenste an der Prostitution ist ja, dass man kaum etwas über sie weiß. Zahlen, Daten und Fakten gibt es gar nicht – anders als man uns allerorten weiß machen will. Vor Allem die ‚geschätzten Dunkelzahlen‘ sind bizarr weit voneinander entfernt. Umso wichtiger, dass man sich ab und an die Mühe macht sich ‚ins Feld‘ zu begeben und nachzusehen!

Nichts weniger hat Michael Glawogger inWhores‘ Glory getan. Thailand, Bangladesh und Mexiko hat er besucht und die Damen in ihrem Alltag gefilmt. Wie von ihm nicht anders zu erwarten ließ er den gesamten Streifen unkommentiert, sodass tatsächlich nur die Frauen (und gelegentlich ein paar Freier) zu Wort kommen.

Achtung: Erkenntnis!

Faszinierend geradezu dabei: Es gibt auch muslimische Prostituierte! Und deren Verhalten ist vielleicht am bizarrsten von allen. Anders als die nahezu beiläufige, nebensächliche Atmosphäre der Kontaktaufnahme in Tailand (die Damen sitzen in einem Glaskoven, unterhalten sich über ihre Einkäufe und was sie sich von dem Geld nicht alles leisten könnten, wenn doch endlich mehr Freier auftauchten!) handelt es sich bei jenen nämlich um unglaublich aggressive Werber! Von einer Frau wird, live und vor der Kamera, eine andere Frau abgekauft – von einer Frau. Und diese ‚führt‘ das neu gekaufte (beinahe-) Sklavenmädchen dann in den Job ein.

„Wenn ein Mann sagt, dass Du ihn in den Mund nehmen sollst, dann sagst Du: Nein. Mein Mund ist heilig. Er spricht die Suren des Koran.“, hört man sie sagen, während im Hinterzimmer jene heilige Lücke zwischen Ober- und Unterkiefer von einer Kollegin dazu missbraucht wird ein anderes Mädchen so obszön zu beschimpfen, wie ich es schier für unmöglich gehalten hätte.

Die Episode in Mexiko wirkt dagegen derart harmlos (obwohl das einzige Mal, dass Sex zwischen den Akteuren gezeigt wird!), dass es uns unglaublich dünkt. Nicht, dass die geforderten Praktiken dem laschem Umgang selbst der verhältnismäßig fundamentalistischen Mexikaner nicht ensprächen! Spielarten gibt es hier deutlich mehr, der Bedarf ist größer und die Hemmschwelle niedriger, doch die Grausamkeit des Alltags wirkt, verglichen mit Bangladesh, bedeutungslos.

Empfehlung

Auch, wenn es mich deutlich mehr interessiert hätte wie sich die Lage in den USA, Europa (exklusive Schweden) und Schweden (exklusive Europa) gestaltet (oder eher: zusätzlich) – es ist sehenswert! Wirklich. Desillusioniert zu werden ist immer ein wenig Aufwand wert, auch wenn das Sehen dieser Bilder deutlich anstrengt.

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