Heilige Narren

Heilige Narren
Heilige Narren

Ob man, nach der Lektüre von ‚Heilige Narren‘ überhaupt genau weiß worauf Ulrich Holbein quasi hinaus wollte kann ich nicht sagen. Um Kritik an Verehrungsriten und Mythenbildung rund um (im weitesten Sinne) heilige Personen zu üben hätte es bessere, effektivere Methoden gegeben. Einfachere, vor Allem.

Nein, der Fokus schien auf dem Unterhaltungswert zu liegen; der Hauptträger dieser Vermuttung ist der kongeniale Schreibstil des Autors, der nicht nur einmal vergessen lässt worum es in einem bestimmten Satz ursprünglich gegangen sein mag: Neben dem Charm seiner Formulierungsgewalt wirkt der Inhalt bedeutungslos.

Geniös?

Er hätte über alles schreiben können. Ich bin mir sicher, dass er sogar noch die Kulturgeschichte des durchschnittlichen Weimarer Wasserhydranten so abfassen hätte können, dass selbst der gewitzteste Wortakrobat seinen Hut vor ihm hätte ziehen müssen. Nun … er hat sich eben die skurilen Gestalten der Weltgeschichte erwählt – und hierbei mit (beinahe) allen einen Volltreffer gelandet.

Denn was an Irren so auf unserem einsamen, kleinen Planeten keucht und fleucht ist ohnehin erschreckend – was auf ihm dereinst schon keuchte und fleuchte dagegen stellenweise unfassbar. Ob Diogenes den Griechen die Stirn in falten legte, oder christliche Sabberexperten postum wahrlich abhoben: Die Verehrung der Menschen für diese Wahnsinnigen ist schier unverständlich. Und Holbein hebt aus diesem Irrsinn selbigen noch deutlich hervor.

Werte und Struktur

22 Lebensgeschichten werden auf jeweils vier, fünf Seiten umrissen. Zwar braucht der aufwendige Stil einen Großteil des verfügbaren Platzes auf, den man besser für ein paar detailreichere Schilderungen genutzt hätte (obwohl: Ob das der Leser auch noch vertragen hätte darf dahingestellt bleiben!), doch emotional ist man nach jeder dieser Kurzeinführungen gesättigt.

Wo viel Licht ist…

Leider gibt es zwei unglaubliche Hindernisse um diesem Buch absolute Genialität zuzusprechen. Zum Einen fehlen die Quellenangaben. Nicht, dass man im Verlauf der Lektüre auch nur den geringsten Hauch von Zweifel am Wahrheitsgehalt der ‚Behauptungen‘ Holbeins bekommt – aber soviel Ordnung muss im Disput (zu welchen letztliche ein solches Werk geradezu herausfordert) schon sein – aus Resepekt denjenigen gegenüber, die statt ‚Epilepsie‘ eine ‚Epiphanie‘ vermuten.

Und als zweiten Kritikpunkt möchte ich das schier unfassbar schlechte Layout des Textes vorbringen. Es ist unfassbar wie störend es ist ganze Seiten ohne einen einzigen Absatz lesen zu müssen! Sollte das als Kunstgriff gelten: Es war höchstens einer ins Klo. Es tut mir Leid das in aller Deutlichkeit sagen zu müssen.

Empfehlung

Dieses Buch ist mit zwei Einschränkungen Allen zu empfehlen: Jenen, die bei Schachtelsätzen grundsätzlich aussteigen und jenen, die dieses Buch als ernsthaften, quasi-wissenschaftlichen Beitrag zum Religionsdisput sehen oder sehen wollen.

Das Hr. Holbein auch ‚Heilige Närrinnen‘ nicht verschont, ihnen gar einen eigenen Band widmet, kann man ihm nur hoch anrechnen. Endlich eine ‚gleichberechtigende‘ Maßnahme, für die man uneingeschränkt und widerspruchslos Sympathie empfinden muss, wenn man sich selbst nicht als Sexist outen möchte. 🙂

Advertisements

Dein Senf:

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s