Immer Ärger mit den Öffis…

Heute wurde ich beim ‚Schwarzfahren‘ erwischt. Gut … ich fahre eigentlich nie ohne gültigen Fahrschein, habe immer meine Monatskarten dabei. Wenn ich also sage, dass ich ‚erwischt‘ wurde, dann meine ich tatsächlich, dass ich selbige vergessen habe. Vermutlich das erste Mal überhaupt.

Wie auch immer, Murphy ist ein alter Haudegen und weiß, wie man einem das Leben schwer macht. Just an so einem Tag also wurde ich kontrolliert. Nun muss man aber wissen, dass an eben diesem der erste Tag war, an dem man die neue Monatskarte bereits benötigte. Was dann geschah, kann man (denke ich) diesem Briefchen entnehmen, das ich an die heimatlichen Verkehrsbetriebe zu schreiben mich erdreisstet habe. 😉

Ich bemühe mich nett und höflich zu sein.

Vielleicht doch soviel vorweg: Möchte man einen Dauerauftrag einrichten um eine Jahreskarte monatlich abzustottern, muss man (aus welchen Gründen auch immer…) persönlich in Erdberg (Sitz der des Kundendienstes der Wr. Linien) vorbeischauen. Ist man im Besitz einer solchen Karte ist man immunisiert gegen das ‚Schwarzfahren‘. Man wird zwar ‚aufgeschrieben‘, aber die Strafe wird im Nachhinein annulliert...

Sehr geehrte Damen und Herren.

Grundsätzlich gehöre ich nicht zu jenen Menschen, die wegen allem eine Beschwerde vorbringen wollen oder müssen. Ich behalte mir das für jene Zeit vor, in der ich (als Pensionist) durch das Hinausstieren aus meinem Fenster nicht mehr vollends glücklich werde. Dennoch möchte ich meinem Ärger bezüglich des Verhaltens eines Kontrollorgans der Wiener Linien Ausdruck verleihen.

Vorweg: Ich verstehe, dass „Kunden“ ohne gültigen Fahrausweis belangt werden. Mir ist bewusst, dass auch ich, im konkreten Fall, gegen die Beförderungsbedingungen in so fern verstoßen habe, als dass ich zum entsprechenden Zeitpunkt den erforderlichen gültigen Ausweis nicht bei mir hatte. Wären hier nicht einige weitere Umstände eingetreten, so würde ich zähneknirschend die sensationellen € 70.- Bußgeld einzahlen und meine eigene Dummheit dafür verantwortlich machen.

Nicht, dass Sie mich falsch verstehen – nach wie vor war es dämlich von mir die Monatskarte für März zu Hause liegen zu lassen. ABER.

Ich habe dem zuständigen Mitarbeiter der Wiener Linien sämtliche Monatskarten und sogar Einzahlungsbelege von November 2011 bis Februar 2012 (siehe Anhang) vorgezeigt. Er wusste somit zu diesem Zeitpunkt bereits, dass ich bestimmt kein notorischer Schwarzfahrer bin. Darüber hinaus war heute (03/03/12) der erste Tag, an dem der alte Ausweis seine Gültigkeit verloren hatte. Wäre dies nicht (auch noch) der Fall gewesen – ich hätte sein Verhalten als borniert, nicht aber als unrecht genug empfunden um nun Sie damit zu behelligen.

Als besonderer Zusatz trug sich das Ganze gerade in der Buslinie XY zu. Jener Buslinie, die dank des Systems verschiedener Endstationen alte Menschen oder junge Eltern ausgesprochen häufig dazu zwingt oft längere Wartezeiten in Kauf zu nehmen, weil während der Fahrt beschlossen wird einen Bus mit dem Ziel ‚XXXXX‘ in einen solchen zu verwandeln, der zwei Stationen einspart. Als Vater eines (dann zumeist schlafenden) 3jährigen möchte ich mich auf diesem Wege auch dafür herzlich bedanken. 😉

Wie Sie dem beigefügten Bild entnehmen können, hatte ich (konkret: Meine Frau) die März-Karten bereits gestern (02/03/12, innerhalb der Gültigkeitsperiode der von mir zum ‚Tatzeitpunkt‘ mitgeführten Monatskarte) gekauft (Einzahlungsbelegt links oben).

Als der gute Mann damit fertig war meine Daten aufzunehmen habe ich mir erlaubt ihm mitzuteilen, dass ich sein Verhalten im besten Fall als ‚Pingelig‘ empfinde (sic!). Er hat sich darauf beschränkt zu behaupten, dass er quasi nur Befehle befolgt (nebenbei: Unhöflichkeit kann ich ihm, zumindest was den Ton anlangt, nicht vorwerfen). Das ist reichlich seltsam wenige Tage nachdem in einer bekannten Tageszeitung durch einen Vertreter Ihres Unternehmens erklärt wurde, dass das Bezugssystem für Kontrolleure der Wr. Linien darauf ausgerichtet ist Ausnahmen zu ermöglichen.

Wenn in diesem Fall keine gemacht wurde – in welchen Fällen dann? Muss ich mich aggressiv gebärden, damit er davon absieht? Ist meine bedingungslose Kooperation (ich habe in keinster Weise meine Daten zurückgehalten*, versucht die sprichwörtliche Kurve zu kratzen oder mich lautstark über diese juristisch ja einwandfreie Handlung zu mukieren) der falsche Weg um die Einsicht ihres Kollegen zu erlangen und auf diesem Weg seine ‚Mildtätigkeit‘ zu erwirken?

Mich würde nun besonders eines interessieren: In welchen Fällen ist es dann angebracht eine solche Ausnahme zu machen? Wenn ich aussehe wie ein betrunkener Arnold Schwarzenegger?

Juristisch korrekt heißt nicht immer menschlich richtig. Hätte der Mann mir gesagt ‚Tut mir Leid, aber ich brauche die € 4.- Provision unbedingt.‘, wäre das wenigstens ehrlich gewesen. So zieht er mir das Geld für gute 1 1/2 Wochen Lebensmittel aus der Tasche obwohl dazu (menschlich gesehen!) kein Grund bestand.

Bitte nehmen Sie davon Abstand mir nun zu erklären, dass das Ganze mit einer Jahreskarte so nicht passiert wäre – es ist mir klar. Leider habe ich bisher nie die Zeit gefunden mich persönlich nach Erdberg zu begeben um die erforderlichen Formulare auszufüllen (da ein Lottogewinn nicht in Sicht ist, müsste ich auf die Möglichkeit zurückgreifen eine solche monatlich zu bezahlen). In Wahrheit haben sie also an mir bisher wesentlich besser verdient als an vergleichbar häufig Ihre Services in Anspruch nehmenden Kunden. Dennoch würde ich mich, ehrlich gesagt, über ein Entgegenkommen Ihrerseits freuen.

Mit freundlichen Grüßen,
XXX

*) Ich habe ihm sogar – auf seinen Wunsch hin – meine e-Card gereicht, da er meinte dadurch weniger Arbeit zu haben…

Ich erwarte mir, natürlich, nicht viel davon. Aber ich habe schon meine Genugtuung damit zu wissen, dass ich jemanden von den Wr. Linien damit beschäftigen konnte. Für € 70.- sollen die ruhig 10 Minuten arbeiten… :mrgreen:

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8 Kommentare zu „Immer Ärger mit den Öffis…“

  1. „Möchte man einen Dauerauftrag einrichten um eine Jahreskarte monatlich abzustottern, muss man (aus welchen Gründen auch immer…) persönlich in Erdberg (Sitz der des Kundendienstes der Wr. Linien) vorbeischauen.“

    Aus Douglas Adams‘ „Per Anhalter durch die Galaxis“:

    „Aber Mr. dent, die Pläne lagen die letzten neun Monate im Planungsbüro aus.“
    „O ja. Als ich davon hörte, bin ich gestern nachmittag gleich rübergegangen, um sie mir anzusehen. (…)“
    „Aber die Pläne lagen aus.“
    „Lagen aus? Ich mußte schließlich erst in den Keller runter…“
    „Da werden sie immer ausgehängt.“
    „Mit einer Taschenlampe.“
    „Tja, das Licht war wohl kaputt.“
    „Die Treppe auch.“
    „Aber die Bekanntmachung haben Sie doch gefunden, oder?“
    „jaja“, sagte Arthur, „ja, das habe ich. Ganz zuunterst in einem verschlossenen Aktenschrank in einem unbenutzten Klo, an dessen Tür stand: Vorsicht! Bissiger Leopard!“

    Wenn ich das, was Du oben schreibst so lese… wird wohl Zeit, das Handtuch einzupacken und den elektronischen Daumen rauszuholen. Die Vogonen kommen.

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  2. Ich war schon irritiert, als ich neulich zweimal an einem Tag in der U-Bahn kontrolliert wurde. Und dann fiel mir auf: Oh, es ist der 1. März, da kassieren sie die ab, die vergessen haben, ihre neuen Monatskarten zu holen. Ich find das eine ganz miese Masche, und es tut mir leid, dass es dich erwischt hat.

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    1. Aye. Scheiß Abzocke. Aber immerhin scheinen sie sich nicht dafür zu interessieren, was man so schreibt. Heute, zwei Tage später, hab‘ ich noch keine Antwort. Aber so leicht geb‘ ich jetzt auch wieder nicht auf… 😉

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      1. Ich hab schon drei (!) Briefe bekommen, dass ich angeblich schwarz gefahren bin, obwohl ich eine Jahreskarte habe. Irgendwer hat meine Daten angegeben, und die Wiener Linien haben den Schwarzfahrer laufen lassen und mir ungeprüft einen Brief geschickt.
        Ich hab dann jeweils eine Mail geschrieben, und es kam auch immer schnell eine Antwort, allerdings mit der Aufforderung, das Ganze schneller telefonisch zu klären. Ich hatte aber keine Lust, mit einem Beamten von denen am Telefon zu diskutieren und hab von einem Anruf abgesehen.

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      2. In Oslo bin ich zweimal „erwischt“ worden:
        Einmal bin ich einfach nur durch den U-Bahn- Bahnsteig, ohne vorzuhaben in die U- Bahn einzusteigen, eben, weil ich wußte, dass ich keine gültige Fahrkarte habe. Beim Ausgang stand dann die Kontrolle. Ich zeigte meinen französischen Ausweis mit meiner deutschen Adresse und behauptete, ich wäre nur auf Besuch hier. Ich war mir sicher, dass die mich finden werden. Nun ist ein Jahr um und bist jetzt ist immer noch kein Brief angekommen.
        Beim zweiten Mal stellte sich heraus, dass der Automat, an dem ich mein Ticket vor zwei Wochen gestempelt hatte, irgendwie gesponnen hat. Das neue Ticketsystem geht durch alle Zeitungen, weil es sehr oft Probleme mit dem Stempel gab´ und Leute „erwischt“ wurden, die eigentlich ein gültiges Ticket hatten. Dementsprechen wußte ich, was los ist, als mich der Kontrolleur nach meiner Adresse fragte; unverschämt fand ich, dass er noch fragte, ob ich jetzt mit EC- Karte (=700 kr) oder später per Banküberweisung (= 900kr) zahlen möchte. Ich meinte, ich werde sowieso nie zahlen. :mrgreen:
        Am nächsten Tag bin ich zum „Trafikanten“ (das ist deren Kundenservice) bin. Ich musste ein Formular ausfüllen, mein Bruder hat sich über mich totgelacht. Er meinte, dass man alleinig an meinem Traktat sehen würde, dass ich Geisteswissenschaften studiere. Ich war sogar gewillt für die zwei Wochen, in denen ich unwissend „schwarzgefahren“ bin zu zahlen; hab´ aber nie eine Antwort von denen bekommen- ist auch schon paar Monate her.

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