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Die Idee ist grandios. Mit einem Mal bleibt die Zeit stehen. Wasserfontänen, die mitten im Fallen stehenbleiben. Menschen, die in einem endlos lang gedehnten Augenblick verharren als gäbe es kein Morgen – und 70 „Chronifizierte“ Menschen, die sich der Frage widmen, ob nicht genau das der Fall ist: Ob es tatsächlich keinen darauffolgenden Tag geben würde.

Fünf Jahre lang die gleiche Sekunde. 12:47:42.

Zumindest auf den Millionen Uhren der ‚Anderen‘, der Wehrlosen, ewigen Schläfer. Unseren Uhren.

Under Pressure

Wie wirkt sich dieses ‚ewige Eis‘ über den permanent gleichen Zuständen aus? Der psychische Druck nur mit Menschen sprechen zu können, die selbst unter dem gleichen Druck stehen – keine Chance auf echte Erholung.

Thomas Lehr nimmt den Leser mit auf eine Reise in die Psyche eines der letzten Vertreter unserer Spezies. Die Schrecken der Null-Zeit, die uns so unwahrscheinlich erscheinen wie sonst nur die Idee des ersten kalorienfreien Big Macs, haben allerdings einen Haken: Sie werden so zerredet, dass die Handlung selbst fast schon mit einer Pinzette aus den Untiefen des Textmeeres herausgepickt werden muss.

Leser-Schisma

Dieses Buch spaltet die Leserschaft in drei Teile. Ziemlich gleichmäßig, wie ich finde. Die einen finden es genial, vor Allem der aufwändigen Sprache wegen. Andere wiederum empfinden die vielen Bilder, die Lehr in den Köpfen des Lesers erzeugt, als eine Art Metapher-Overflow. Die dritte Gruppe, zu der ich mich selbst zähle, ist gänzlich unentschieden.

Mir hätte die Idee, gänzlich anders realisiert, vermutlich besser gefallen. Weniger philosophisch – mehr Orientiert an einer Weltuntergangsstimmung und ihrer Manifestation im Leben der ‚Chronifizierten‘.

Zu guter Letzt wäre noch die Analyse am Ende zu empfehlen, die in der Buch-Ausgabe der ZEIT-Redaktion dem eigentlichen Werk anhängt. Sie ist kurz und prägnant, führt ihren verblüfften Leser in die Welt der Teilchenphysik zumindest so weit ein, als das eines klar wird: So unrealistisch, wie man meint, ist das Szenario nun auch wieder nicht.

Man sollte es einmal gelesen haben. Oder zumindest so lange, wie man durchhält. Es zahlt sich aus

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