Arbeiten. Bis zwei Jahre nach dem Tod.

Sterbetafel Österreich

Ich bin ja immer aufgeschlossen, wenn es um Maßnahmen geht die Welt zu retten. Man kann sagen, dass ich sogar durchaus dazu bereit bin echte Opfer zu bringen. Aber was zuviel ist, ist zuviel.

Da sagen uns ein paar senile ältere Damen und Herren, dass es endlich Zeit wäre das Pensionsantrittsalter in die Höhe zu schrauben. Sieben Jahre, flüstert der EU-Sozialkommisar (welche Parodie auf den Amtstitel!) ähnlich der Gestalt der Samarah aus ‚The Ring‘ uns ins Ohr („Sieben Tage.“).

In Österreich liegt das gesetzliche Pensionsantrittsalter dzt. bei 65 Jahren. Sieben weitere ergäben ein Alter von 72 Jahren, wenn ich endlich aufhören dürfte Bücherkisten durch die Gegend zu schleppen (oder aus der Alterarbeitslosigkeit in die ‚Rente‘ zu wechseln). In Schweden geht man sogar einen Schritt weiter, möchte die Menschen bis 75 arbeiten lassen.

Das Leiden des alten Wärters…

Sind die alle noch bei Verstand? 75 Jahre? Wer zum Teufel will von einem 74jährigen Piloten über den Atlantik geflogen werden? Wer sich von einer 75jährigen modisch beraten lassen? Welche 75jährige Ärztin hat noch die nötige Geschicklichkeit um Nadeln zielsicher in die Haut zu stechen? Wen soll ein Altenpfleger noch betreuen? Vermutlich wird diese Berufssparte zum Selbstversorgerstand.

‚Steigende Lebenserwartung‘ – ein Mythos. Die Vorausberechnung der vermutlichen Ausbeute an Lebensjahren ist ein Witz – niemand kann wissen, wie alt wir werden. Es ist die Extrapolation eines Trends, bei dem keineswegs sicher ist, dass er beliebig fortgeführt werden kann.

Gesundheit und Demographie

Natürlich kann man nun einwenden, dass heutige 60jährige ‚im Schnitt‘ so rüstig sind wie ihre Großeltern im Alter von 50 Jahren (wie das etwa Gerd Bosbach und Jens Jürgen Korff in ihrem ansonsten wirklich empfehlenswerten Buch ‚Lügen mit Zahlen‘ tun). Die Annahme, dass es uns aber auf jeden Fall gesundheitlich besser gehen wird ist schon alleine deshalb falsch, weil wir Komapatienten heute auch wesentlich länger am Leben halten können – und deren ‚Lebensqualität‘ hat sich doch wohl nicht gesteigert…

Die Frechheit darin muss man sich eigentlich einmal auf der Kleinhirnrinde zergehen lassen: Ein Österreicher meines Jahrgangs hat (angeblich) eine Lebenserwartung von etwas unter 70 Jahren. Mystischer Weise nur bei der Geburt, im Bonuslevel (ab 60) kommen noch ein paar Jahre dazu (was übrigens nicht ganz intuitiv ist, siehe Sterbetafel der Statistik Austria) – aber das ist relativ egal. Hier geht es nämlich nicht um einen Meridian, der aufzeigen würde wann wir wahrscheinlich das Zeitliche segnen, sondern um einen Durchschnitt, der für den Einzelnen mehr als nutzlos ist. Viele sterben später. Viele sterben aber auch früher.

Bis das der Tod unser Arbeitsverhältnis beendet.

Wir dürfen uns das nicht länger bieten lassen. Sonst müssen wir, wie eben angedeutet, mehrere Jahre über unseren Tod hinaus arbeiten (was, zugegebener Maßen höchstens von den christlichen Parteien gefordert werden kann, die ja ohnehin am deutlichsten hinter diesen aberwitzigen Entwicklungen stehen). Alternativ könnte man uns noch einen ‚Gefallen‘ tun, und diese Rest-Arbeitsverpflichtung erblich machen. 😉


Das Bild ist eine Kollage aus einem Screenshot der verlinkten Site. Die Daten darauf sowie der ganze Rest sind geistiges Eigentum der Statistik Austria. Der Tod, der die Basis für diese Erhebungen stellt, gehört allerdings noch jedem einzelnen von uns.

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2 Kommentare zu “Arbeiten. Bis zwei Jahre nach dem Tod.”

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