Der Anschlag (Stephen King)

Der Anschlag

Dieses Buch ist anders. Es ist von Stephen King – und die Handschrift des Horror-Gurus ist zweifelsfrei in jeder Textzeile zu erkennen (selbst in der Übersetzung). Und doch … wirklich zu vergleichen mit seinen letzten Werken ist es nur im Schreibstil.

Die Geschichte ist einfach: Ein Bekannter des Protagonisten, der High-School-Englisch-Lehrer ist, hatte einen ‚Kaninchenbau‘ gefunden. Zumindest bezeichnete er das, was man als ‚Tunnel in das Jahr 1958‘ bezeichnen konnte als solchen. Das Besondere an diesem war, dass man immer zum selben Zeitpunkt herauskam, wenn man ihn betrat – egal wie oft man das schon getan hatte. Ein ‚Neustart‘ war die Folge. So konnte man bei jedem Besuch das selbe Stück Fleisch, oder die selbe Dose Root-Bier kaufen ohne, dass diese Dinge je verschwanden.

Das Zeitalter

1958 ist, auf den ersten Blick, kein besonders attraktives Jahr für Zeitreisen. Die amerikanische Gesellschaft ist in ihren Einstellungen (aus europäischer Sicht) sogar noch verklemmter als heute – und so wären es langweilige Trips in ein uninteressantes Zeitalter gewesen. Wäre da nicht das Attentat auf John F. Kennedy, nur ein paar Jahre später.

So macht sich unser Protagonist auf um den Präsidenten zu retten, denn dessen Tod halten er und sein Bekannter für den Start der Fehlentwicklungen, die Amerika auf eben jene schiefe Bahn haben rutschen lassen, die zu Katastrophen wie George W. Bush führen konnten.

Über das Buch

Besonders auffallend ist, dass es zwar einzelne Horror-Elemente gibt, die Geschichte selbst sich allerdings mehr an Schilderungen dieser Zeit orientiert. Man erfährt jede Menge über das Leben der Menschen in dieser Zeit, die uns so unglaublich weit entfernt vorkommen kann (egal, ob wie sie miterlebt haben oder nicht!).

Die Stärke des Romans liegt in seiner Dichte. Zwar hantelt sich die Handlung selbst mühsam durch so manches Kapitel, doch bleibt sie an keinem Punkt tatsächlich stehen.

Dieses Buch ist genial, wiewohl ich einen Stern dafür abziehen musste, dass es stellenweise eben ein wenig zu detailreich schildert. Eine Leseempfehlung bekommt jeder von mir, der sich nicht nur für Stephen Kings Machwerke interessiert, sondern auch dafür die amerikanischen 1950er und 1960er durch die Augen eines Menschen zu sehen, der Internet und Mobiltelephonie mit dem Salz des Lebens gleichsetzt. Kurz: Einem von uns.

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4 Kommentare zu „Der Anschlag (Stephen King)“

  1. Ich mag an Stephen King vor allem, dass er sich nach gefühlten 80 Jahren, die es ihn schon gibt, immer wieder neu erfindet und immer wieder mit was Neuem überrascht. Ich meine, eine Zeitreisegeschichte hat ihm wohl niemand zugetraut.
    Ich habe einen sehr guten Artikel über das Buch in ‚Wired“ gelesen, wenn du es jetzt auch gut findest, ist das ein doppelter Grund, es zu lesen. 😉

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    1. Ein Lob für mich. 🙂

      Ja, er erfindet sich tatsächlich jedes Mal neu. Interessant ist auch, dass er seit kurzem immer und zu jedem Buch dazusagt, wann er die ursprüngliche Idee gehabt hat (oder gehabt haben will).

      Ich würd’s auf jeden Fall empfehlen – aber man darf sich darunter eben keinen echten Horror-Roman vorstellen. 😉

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      1. Ach, ich finde gar nicht, dass es bei Stephen King so sehr um den Horror gehen muss. Eines meiner liebsten Bücher von ihm ist zum Beispiel „Die Augen des Drachen“, ein Fantasy-Roman, der wohl für seine Kinder gedacht war.

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