Der Buchhändler und sein Alptraum

Kunden. Der Alptraum des Buchhändlers.

Ich weiß nicht wie oft ich das zu hören bekommen. ‚Entschuldigen Sie … ich such‘ ein Buch!“.

Abgesehen davon, dass es wirklich kreativere Einstiege in die Materie gibt, möchte ich jedes Mal etwas dämliches darauf sagen. ‚Oh – trifft sich gut! Ich hab‘ hier zufällig eines.‚ wäre eine Möglichkeit. Oder ‚Ein blaues?

Man ist ja bemüht nett und höflich zu bleiben – und doch stößt man dabei immer wieder an seine persönlichen Belastungsgrenzen. Vor Allem Frauen mittleren Alters können eine wahre Herausforderung sein. Oder ältere Herren. Alle anderen Gruppen haben selbstverständlich auch ihre Spakos – aber scheinbar leiden die Mitglieder jener beiden unter besonders häufig nervenden Genossen.

Zum Beispiel die Frauen mittleren Alters

Ich such‘ Frauenliteratur.‚ steigt sie in den Ring.

Ich bin verwirrt. Zwar gibt es eine Sparte die, meist unter der Hand, als ‚Freche Frauen Literatur‘ bezeichnet. Bücher, die sich um ‚Mr. Right‘ drehen und sich zumeist aus Sekt schlürfenden Shoppaholics speisen. Da ich mir das im konkreten Fall nicht vorstellen kann, frage ich nach – und bekomme prompt zur Antwort: ‚Na, Bücher von Frauen halt.

Ich staune, räuspere mich und versuche es mit blanker Wahrheit: ‚Also … wir … äh … trennen nicht zwischen weiblichen und männlichen Autoren.

‚Na super. Und wie soll ich dann bitteschön suchen?‚, echauffiert sie sich. Auf ihrem Gesicht ist klar bares Unverständnis zu erkennen. Sie scheint wirklich betroffen.

Also … üblicher Weise sucht man ja nach literarischer Gattung. Dem Genre. Was hätten Sie denn gesucht?‚, versuche ich mich als Reiseleiter durch die wunderbare Welt der Bibliographie.

Na früher hat’s mal so tolle. Also ich hab‘ da immer so … Geschichten über Frauen gelesen.

Ich nicke. Verständnisvoll, könnte man sagen. Nicht, weil ‚Geschichten über Frauen‘ weniger toll wären als ‚Geschichten über Männer‘. Sondern weil ich mit dieser Information wirklich nichts anfange und mir das Umfeld dieser Dame langsam Leid tut.

Da bleibt mir jetzt wohl nichts anderes über als zu schmökern, sozusagen.‚, meint sie resigniert. Und gibt mir damit eine Gelegenheit zu flüchten.

Zum beispiel ältere Herren

Die Königs-Eröffnung älterer Herren nervt mindestens ebenso wie begriffsstutzige Kundinnen. Sie lautet ungefähr so: ‚Junger Mann. Sie sind ja sicher zu jung, aber vor ein paar Jahren hat’s mal so ein Buch gegeben.

Ach, nee. Ein blaues?

Das war von irgend-so-einem Deutschen. Oder Ungarn. Und der hat über ein Problem mit seiner Mutter geschrieben. Leider erinner‘ ich mich jetzt nicht mehr an den Titel – oder den Verlag. Aber das Buch war damals … na das hat jeder g’lesen. Und ich möcht‘ das einem Freund schenken.

…und wann war das – nur ungefähr?‚ – frage ich unschuldig. Mir ist schon klar, dass ich das Buch so nicht finden werde, aber wenn er jetzt eine Jahreszahl nennt die sich in etwa kurz nach der mittleren Jungsteinzeit ansiedelt (und nur jemand, der diese miterlebt hat, darf mich ungestraft mit junger Mann anreden0! :mrgreen: ), dann wird ihm schnell klar werden, dass das nicht geht.

Na, das ist etwa 20 Jahre her.‚, antwortet er gelassen. ‚In den Siebzigern.

Ah eh. 😉

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7 Kommentare zu „Der Buchhändler und sein Alptraum“

  1. Obwohl ich die Siebziger nicht miterlebt habe, sind die für mich auch zwanzig Jahre her. ^^

    Als jemand, der öfters mit Buchhändlern zu tun hat: Ihr könnt auch ganz dämlich sein. Ich werde nie die Dame aus der Kinderbuchabteilung vergessen, die zwar in meinem Alter war, aber nie was vom „Kleinen Vampir“ gehört hatte. Ganz schlimm.
    Ich kann Dir auch verraten, was Damen mittleren Alters sich wünschen, wenn sie sich „Frauenliteratur“ wünschen. :p

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    1. *smile*

      Ich glaube, dass man sich dämlich geben kann ist tastächlich unabhängig von Beruf, sozialer Stellung oder Situation. Das ‚wir‘ Buchhändler ab und an wie die dümmsten Menschen der Welt wirken ist also genauso wahrscheinlich wie in jeder anderen Berufsgruppe. Stories welcome! 🙂

      So ulkig das scheint ist es aber so, dass tatsächlich nicht jeder Buchhändler jedes Kinderbuch kennt – ganz egal wie verbreitet es ist. Ich kannte zu Anfang etwa den ‚Grüffello‘ nicht.

      Was die Frauenliteratur anlangt: In diesem KONKRETEN Fall glaub‘ ich, wär’s selbst der empathischten Verkäuferin nicht klar gewesen. Diese Dame hatte einmal nach einer Bibel gesucht – und mich völlig pickiert angesehen als ich ‚Was für eine?‘ fragte. Aber nur kurz. Darauf folgte nämlich ein entrüstetes: „Da gibt’s verschiedene?“ (und die Reihe peinlicher Gegenfragen nicht abriss, trotz aller, gegen Ende hin schon verzweifelter, Erläuterungsversuche).

      Ansonsten: Bin immer für Tipps offen. 😉

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      1. 1. Die „Der kleiner Vampir…“- Geschichte hat mich dazu veranlasst nur noch bei Amazon meine Bücher zu bestellen.
        Man muss noch dazu sagen, dass der Buchhandel, wo ich auf diese enorm kompetente Person gestossen bin, der Hugendubel war. Eine Buchladenkette, die dafür sorgt, dass alle kleineren Buchläden, wo kompetente Leute arbeiten, untergehen.
        Ich habe aber auch sehr positive Erlebnisse mit Verkäufern gehabt; eben mit denen aus den kleinen Buchläden; da war ich teils positiv überrascht, was die so alles wissen.
        2. Frauenliteratur: Es gibt einen gewissen Genre, auf den ein bestimmter Typus von Frau steht. Ich gehöre nicht dazu, aber die Mooggie und die Oma gehören dazu, deswegen habe ich mir Gedanken darüber gemacht.
        Einerseits Bücher, über Frauen mit Schicksalsschlägen. Sowas, wie „Gone with the wind“ oder „Anne auf Green Gables“ oder „Rebecca“ oder „Jenseits von Afrika“, wobei dies eine Autobiographie ist; aber das kommt da auch rein: Autobiographien, vorzugsweise von Frauen (gerne mit Schicksalsschlägen):
        Anderseits Bücher über große Familien; „Anne auf Green Gables“ ist so ein Beispiel. Oder „Die Buddenbroocks“.
        Es kann natürlich auch sein, dass ich vollkommen falsch liege, aber das ist so der Eindruck, den ich von Frauen aus der Schublade „Mittleres Alter“ bekommen habe.
        Bin gespannt, ob ich Dir damit helfen konnte.

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      2. Amazon ist für mich leider ein rotes Tuch. Nicht, weil ich Angst vor Online-Konkurenz habe (das betrifft mich weit weniger als man annehmen sollte), sondern weil diese konkrete Firma ethisch dermaßen fragwürdig ist, dass es mich schüttelt wenn ich an die ganzen Berichte denke.

        Vielen Dank für die mentale Skizze zur Frauenliteratur! Ich habe mich ein wenig falsch ausgedrückt. Selbstverständlich weiß ich, was man generell darunter versteht, habe auch schon meine Erfahrungen mit zig einschlägigen Biographien gemacht (Klassiker ist hier etwa der Sandmann-Verlag, etc.). DIESE Person allerrdings ist ein Sonderfall. Ich bin mir nicht einmal sicher, ob sie überhaupt weiß wie ein Buch ‚funktioniert‘.

        Darüber hinaus möchte ich aber folgendes sagen: Dein Umriss dieser Themenwolke ‚Frauenliteratur‘ ist wohl einer der Besten und gründlichsten, die ich kenne. Du hast nämlich wirklich nichts darin vergessen. Vielleicht solltest Du auch eine Zukunft im Buchhandel anstreben? 😉

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  2. Ich glaube, dass ist ein Thema für ein Blogeintrag. Sonst wird der Kommentar wieder ellenlag, wir können ja dann bei mir weiterdiskutieren ^^

    Ja, Buchhandel. Genauso, wie ich eine doofe Kuh bin, weil ich nicht einfach ein Übersetzungsstudium gemacht habe und mir die ganze Zeit den Kopf zerbreche, wie ich nach acht Jahren Magisterstudium noch bisschen Journalistenschule reinpresse; so vor meiner Promotion.

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    1. Können wir gerne machen. 😉

      Meine Schwester macht dzt. ein solches Studium. Japanisch. Ich könnte mich zum Krüppel ärgern, weil ich ihr das nicht rechtzeitig ausreden konnte. Nicht, dass ich nicht der Meinung bin, dass jeder machen / studieren sollte, was ihm zu Gesicht steht. Aber Chancen das später zu verwerten sehe ich nicht…

      lG,
      Daniel

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      1. Es gibt zwei Modelle:
        1. Du studierst, arbeitest nebenbei und wirst zur Akademikerin ausgebildet. Die meisten bleiben dann aber nicht an den Hochschulen, sondern gehen ins Verlangswesen, PR, Werbung, Museumssekräter ect.
        2. Man macht gleich die entsprechende Ausbildung und spart sich das Studium. Es gibt Leute, die einfach keinen Bock haben zu studieren und gleich Arbeiten gehen möchte.

        Ich habe mich ua. deswegen für´s erstere entschieden, weil ich damals so gar nicht wußte, mit was ich arbeiten möchte. Wenn die Schwester mit Japanisch glücklich ist, dann lass sie doch! ^^

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